Chemnitz - Wer die 110 wählt, braucht Hilfe - und zwar oftmals sofort. Aktuelle Zahlen zeigen, dass in Chemnitz immer mehr Notrufe schneller angenommen werden.
Im Jahr 2025 gingen in Chemnitz exakt 95.580 Notrufe im Führungs- und Lagezentrum der Polizei ein. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Susanne Schaper (48) hervor.
Insgesamt 83.467 Anrufe wurden demnach entgegengenommen - etwa 63 Prozent davon wurden innerhalb von zehn Sekunden angekommen, ca. 37 Prozent der Anrufer mussten länger warten.
Eine erhebliche Verbesserung zum Vorjahr - 2024 wurden mehr als 80 Prozent der Anrufe erst nach zehn Sekunden angenommen. Im Jahr 2023 waren es sogar 83 Prozent!
Heißt: In Chemnitz werden Notrufe immer schneller angenommen.
Leitstellensysteme der sächsischen Polizei erneuert
Woran könnte das liegen? Laut Sachsens Innenminister Armin Schuster (64, CDU) wurden die Leitstellensysteme der sächsischen Polizei erneuert.
"Im Zeitraum von Juni 2024 bis November 2025 wurden nacheinander alle Lagezentren der sächsischen Polizei in die neuen Leitstellensysteme migriert", so der Innenminister.
Die Modernisierung der Systeme war dringend notwendig. Denn: Davor wurde eine sogenannte technische Faxweiche vor die Notrufe geschaltet. Das System erkannte, ob es sich um ein Telefonat oder ein Fax handelte - völlig veraltet. Dadurch wurden die Anrufe erst mit einer Verzögerung angezeigt.
Das führte dazu, dass vor der Modernisierung viele Notrufe erst nach zehn Sekunden angenommen wurden.
Zahl der Notrufe in Chemnitz innerhalb von vier Jahren rasant angestiegen
Fakt ist: Die Zahl der Notrufe bei der Chemnitzer Polizei ist seit 2021 rasant angestiegen.
Im Jahr 2021 wurden 51.430 Notrufe im Führungs- und Lagezentrum gezählt, 2022 waren es bereits 84.983, 2023 sprang die Zahl auf 93.037, im Jahr 2024 gingen die Notrufe mit insgesamt 91.758 etwas zurück. Im vergangenen Jahr lagen sie bei 83.467.
Warum sprangen die Notrufe seit 2022 so in die Höhe? Eine mögliche Ursache ist die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen: Kontaktverbote, Schließungen von Einrichtungen und Co.
Die Menschen waren einfach weniger unterwegs - es konnte also auch weniger passieren.