Trauerspiel in Chemnitz zum deutschen WM-Start: Kein Public Viewing, keine Fanartikel, keine Vorfreude

Chemnitz - Das Chemnitzer WM-Geschäft ist ein einziges Trauerspiel: Der Verkauf von Fanartikeln findet quasi nicht statt. Auch die sonst so beliebten Public-Viewing-Veranstaltungen sucht man in diesem Jahr vergebens. Kein Wunder: Die Vorfreude bei den Bürgern in Chemnitz hält sich stark in Grenzen, wie eine TAG24-Umfrage zeigte.

Große Fanmassen bei Public Viewings wie bei der WM 2014 gibt es in diesem Jahr nicht.
Große Fanmassen bei Public Viewings wie bei der WM 2014 gibt es in diesem Jahr nicht.  © Haertelpress

Rot-Grün-Gold statt Schwarz-Rot-Gold: Die Läden in der Innenstadt sind mitten im Weihnachtsgeschäft. In den Schaufenstern und Eingangsbereichen grüßen Schnäppchen fürs Fest.

Wer sich mit Trikots, Fahnen und Co. eindecken will, muss damit rechnen, dass die Suche mit einer Niederlage endet.

Verhalten blickt auch die Gastronomie auf die heute startende WM-Zeit mit deutscher Beteiligung. Zum Vergleich: Trotz Corona lockte zur Europameisterschaft 2021 noch ein großes Angebot an Public Viewings.

Chemnitz: Hier ist es in Chemnitz richtig laut: Diese Karte beweist es
Chemnitz Lokal Hier ist es in Chemnitz richtig laut: Diese Karte beweist es

In diesem Jahr gibt es nur die abgespeckten Varianten. Die Spiele gibt es in einigen Lokalitäten zu sehen, werden aber eher zur Nebensache. "Wir haben in den einzelnen Etagen Fernsehgeräte montiert", so Gernot Roßner (50) vom "Brazil". Übertragen werden dort die Spiele, die über die Öffentlich-Rechtlichen frei verfügbar sind.

In der aktuellen Situation kann keine WM-Stimmung entstehen

"Miramar"-Mitarbeiterin Susi Buchwald (40) hat das Lokal für die Winter-WM vorbereitet.
"Miramar"-Mitarbeiterin Susi Buchwald (40) hat das Lokal für die Winter-WM vorbereitet.  © Sven Gleisberg

"Viele wollen die Weltmeisterschaft ja gar nicht schauen", erklärt André Gruhle (48, Miramar, Pelzmühle, Diebels Fasskeller, Hans im Glück). Der große 60-Zoller würde im "Miramar" zwar wieder installiert. "Die Atmosphäre ist aber in keiner Weise wie sonst."

Auch der Einzelhandel interessiert sich nicht für den Katar-Kick: "Wir gehen davon aus, dass die Fußball-Weltmeisterschaft auf vergleichbar geringeres Interesse stößt als frühere Großturniere", sagt REWE-Sprecherin Kristina Schütz.

Das liege neben der aktuellen Situation mit Ukraine-Krieg, Preissteigerungen, erneuter Corona-Welle auch daran, dass die WM in eine Zeit falle, in der Handel und Kunden sich auf Weihnachten vorbereiten. Für WM-Fieber ist da einfach kein Platz.

Seid Ihr schon im Fußballfieber?

Felix Neuert (27), Montagearbeiter.
Felix Neuert (27), Montagearbeiter.  © Sven Gleisberg

Felix Neuert (27), Montagearbeiter:
"Katar ist für mich ein unmenschliches Land. Die Unterschiede zwischen den Schichten sind viel zu groß. Oben regieren die Scheichs, unten schuften die Menschen als Sklaven. Die FIFA sollte sich das nächste Mal gut überlegen, wohin sie die WM vergibt."

Linda Fischer (32), Verkäuferin.
Linda Fischer (32), Verkäuferin.  © Sven Gleisberg

Linda Fischer (32), Verkäuferin:
"Klar ist es nicht gut, was in Katar geschieht. Aber ich schaue schon immer die deutschen EM- und WM-Spiele. Ich bin durch meinen Vater - ein großer Schalke-Fan - zum Fußball gekommen. Und es handelt sich um unsere Mannschaft - die muss man doch unterstützen!"

Anastasia Mulchenko (38), Buchhalterin.
Anastasia Mulchenko (38), Buchhalterin.  © Sven Gleisberg

Anastasia Mulchenko (38), Buchhalterin:
"Ich liebe Fußball und werde die Weltmeisterschaft schauen. Ich bin ein Fan vom deutschen Nationalspieler Thomas Müller - der ist ein super Sportler!"

Konstantin Mulchenko (39), Lehrer.
Konstantin Mulchenko (39), Lehrer.  © Sven Gleisberg

Konstantin Mulchenko (39), Lehrer:
"Ich werde die Weltmeisterschaft eher nicht schauen. Wir sind erst seit acht Monaten in Deutschland und ich habe noch Schwierigkeiten, die Sprache zu verstehen."

Titelfoto: Haertelpress/Sven Gleisberg

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