Baumfrevel in Chemnitz: Stadt reagierte zu spät auf Protest
Chemnitz - Der radikale Kronenschnitt an den Kugelahorn-Bäumen im Chemnitzer Ortsteil Reichenbrand war schlimmer als bislang bekannt. "Das war ein Drama in drei Akten mit der Stadt", sagt Anwohnerin Romy Hansel (45).
1. Akt: Am 16. Mai, in der Baumschutzphase von März bis September, rückte im Auftrag der Stadt eine Firma an und schnitt in der Reichenbrander Straße Bäume radikal zurück. "Ich ärgerte mich extrem", sagt die Chemnitzerin. "Wegen der Optik, Schutzzeit und der Vogelnester."
Sie schrieb E-Mails an Ordnungsamt und Naturschutzbehörde. "Vom Ordnungsamt hörte ich nichts, die Naturschützer erklärten sich nicht zuständig. Das sei das Grünflächenamt." Romy Hansel reagierte sofort.
2. Akt: Am 22. Mai kam die Firma zurück und rasierte Baumkronen auf der anderen Straßenseite. Die Anwohnerin alarmierte die Polizei, die im Grünflächenamt nachfragte.
3. Akt: Am 23. Mai war die Firma wieder da für die letzten Bäume. Romy Hansel rief Mutter, Sohn und Nachbarn, stellte sich vor die Arbeitsbühne. Erst jetzt stoppte das Rathaus die Aktion.
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Die Verwaltung hatte die "mangelhafte Ausführung des Baumschnitts" eingeräumt. Schadensersatz durch die Firma werde geprüft. Das erste Versäumnis habe am Vatertag plus Brückentag gelegen. Ein Baumschnitt zur Verkehrssicherung sei aber das ganze Jahr über erlaubt.
Titelfoto: Uwe Meinhold
