Bunt und stylish: Schüler (12) erkämpft legale Graffiti-Flächen in Chemnitz

Chemnitz - Immer wieder gibt es Streit um Graffiti in Chemnitz. Ein Zwölfjähriger hat nun für Entspannung an der Farb-Front gesorgt: Friedrich Knoppe setzte über seinen Vater Franz (42) durch, dass die Stadt fünf Übungsflächen für Nachwuchssprayer freigab. Weitere Plätze sind in Arbeit.

Malte (12) und Friedrich (12) bei ihrer ersten Graffitiarbeit an den Bunten Gärten am Sonnenberg.
Malte (12) und Friedrich (12) bei ihrer ersten Graffitiarbeit an den Bunten Gärten am Sonnenberg.  © privat

Friedrich möchte mit der Spraydose "coole Graffiti" machen. "Aber ich will dafür keinen Ärger." Also bat er seinen Papa, ihm zu helfen. Franz Knoppe, bekannt als Kulturaktivist in Chemnitz, machte sich in die Spur, rief bei der Telefonnummer 115 an, schrieb E-Mails, spannte Bekannte ein.

"Nach sieben Monaten gibt es jetzt fünf legale Graffiti-Flächen. Spät, aber immerhin!"

Die fünf Plätze sind nach Anmeldung Stollberger Straße und Südring sowie jederzeit Konkordiapark, Bolzplatz Liddy-Ebersberger-Straße und Bunte Gärten am Sonnenberg. Hier schufen Friedrich und sein Kumpel Malte (12) das Wort "Smaxy" - "das steht für sexy und smash", so der Nachwuchskünstler.

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Sie erlebten auch das Los aller Anfänger im Graffiti-Business: Kaum war "Smaxy" trocken, war es schon wieder übermalt. Deshalb hoffen Franz und Friedrich Knoppe, dass die Stadt weitere Übungsflächen findet und freigibt. Vorschläge an die Stadt per E-Mail: d6@stadt-chemnitz.de.

Franz (42) und Friedrich Knoppe (12) erreichten im Rathaus fünf legale Sprayerflächen für Chemnitz.
Franz (42) und Friedrich Knoppe (12) erreichten im Rathaus fünf legale Sprayerflächen für Chemnitz.  © Ralph Kunz

Mehr Platz für Sprayer

Kommentar von Bernd Rippert

Über Graffiti sind die Bürger allerorten geteilter Meinung. Ich gehöre zu den Freunden junger Kunst und sage mit Nina Hagen: Ist alles so schön bunt hier!

Probleme habe ich allerdings mit illegaler Kunst an fremden Häusern. Was mir nicht gehört, darüber habe ich nicht zu entscheiden. Ich weiß nicht, ob junge Sprayer es lustig fänden, wenn jemand mit einer Farbdose ihr Handydisplay "verschönerte".

Insofern erleben wir einen hilfreichen Vorstoß einer Chemnitzer Familie. Weil der junge Sohn gerne sprühen möchte, ohne dafür mit der Polizei in Konflikt zu geraten, kümmerte sich sein Papa um legale Sprayerflächen in der Stadt.

Für die konservative Verwaltung im Rathaus war so ein bürgerfreundlicher Vorstoß anfangs schwer verdaulich. Erst nach sieben Monaten hatten sich die Behörden durchgerungen, fünf Übungsflächen freizugeben. Davon zwei aber nur auf Antrag.

Besser als nichts. Jetzt haben junge Farbkünstler wenigstens Gelegenheiten, sich mit der Dose auszuprobieren. Ich empfehle aber dringend eine Ausweitung der Übungsareale, sonst verpufft der Effekt durch Überlastung der Flächen.

Titelfoto: Ralph Kunz

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