Verschleppt Chemnitz den gesetzlich vorgeschriebenen Natur-Ausgleich?
Chemnitz - Der Asphalt liegt, die Gewerbehallen stehen, der Verkehr rollt – nur die Natur wartet in Chemnitz seit Jahren auf Wiedergutmachung. Im Fokus: der Autobahnzubringer Kalkstraße, das Gewerbegebiet Rottluff-West und die verbreiterte Walter-Klippel-Straße.
Wo für Bauprojekte Bäume fallen, Böden versiegelt oder Lebensräume zerstört werden, muss laut Gesetz neues Grün entstehen: etwa durch Hecken, entsiegelte Flächen oder renaturierte Gewässer. Bei eigenen Vorhaben muss das Rathaus liefern. Bei privaten Projekten muss die Stadt die Auflagen durchsetzen oder den Bauherren zur Kasse bitten.
Doch laut Rechnungsprüfungsamt sind die Maßnahmen seit Jahren weder finanziell gesichert noch umgesetzt. Volkmar Zschocke (57, Grüne) kritisiert: "Gesetzliche Verpflichtungen sollten nicht über Jahre hinweg verzögert werden. Wer Natur beseitigt, muss auch für den notwendigen Ausgleich sorgen."
Die Kalkstraße führt seit Oktober 2016 zur Autobahn, der Naturausgleich steckt dagegen fest. In der Würschnitzaue bei Klaffenbach sollte ein naturnahes Altwasser entstehen. Die Pläne liegen vor, doch für den Bau fehlte bislang das Geld.
Auch in Rottluff-West ist nur ein Mini-Teil geschafft. Die Firmen zahlten laut Stadt beim Grundstückskauf für den Naturausgleich. Geplant waren Stillgewässer, Feldhecken und Grün am Rabensteiner Bach. Ein Pflanzstreifen kam – ansonsten tat sich offenbar nichts.
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Grüne fordern bis Ende 2026 eine Liste aller offenen Fälle
Für die Walter-Klippel-Straße sollte zunächst ein Teich in Klaffenbach entschlammt werden. Später kam eine andere, bis heute nicht näher benannte Lösung ins Spiel. Sie sollte 2024 umgesetzt werden – öffentlich belegt ist das nicht.
Die Grünen fordern bis Ende 2026 eine Liste aller offenen Fälle sowie einen Zeit- und Finanzierungsplan. "Je länger die Umsetzung hinausgeschoben wird, desto höher können die Kosten ausfallen", warnt Zschocke.
Rathaus und Landesdirektion (LDS) als Kommunalaufsicht ließen TAG24-Anfragen zunächst unbeantwortet, kündigten aber Stellungnahmen an.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (2)
