Chemnitz - Chemnitz ist mit fast 200 Sparten eine echte Kleingarten-Stadt - nur merkt’s außerhalb der Gartentore oft kaum einer. Genau das will der Kleingartenbeirat ändern und hat ein "Gedankenpapier" vorgelegt: raus aus dem Schattendasein, rein ins Stadtbild. Trägt die Stadt eine Mitschuld an Leerstand und Überalterung in den Parzellen?
In 23 Chemnitzer Kleingartenvereinen stehen den Zahlen zufolge mehr als zehn Prozent der Parzellen leer.
"Viele Pächter haben ihre Parzellen jahrzehntelang bestens gepflegt, müssen aber irgendwann altersbedingt aufgeben", meint Beirats-Chef Hans-Joachim Siegel (82). "Die Jungen rücken nicht in dem Maße nach, wie man es bräuchte."
Die Corona-Welle habe zwar kurz geholfen, "aber es sind viele abgesprungen, da ein Garten eben auch Arbeit macht". Noch sei es in Chemnitz "keine Katastrophe".
Suzanne Krauß (56), Chefin vom Stadtverband der Kleingärtner, macht es konkret: "Leer wird es besonders dort, wo keine Wohnbebauung drumherum ist oder der Weg ohne Auto zur Expedition wird."
Anderswo sei es jedoch deutlich schlimmer, und genau das soll Chemnitz nicht passieren.
Kleingärtner wünschen sich mehr Sichtbarkeit
Dafür brauchen die Kleingärtner vor allem mehr Sichtbarkeit. Klare Kernforderung des Gedankenpapiers: Die Stadt soll Kleingärten "stets mitdenken", wenn sie sich präsentiert, auf Messen wirbt oder neue Arbeitskräfte anlocken will. Im Papier steht es ziemlich offensiv: Kleingärten seien "ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann".
Kritik am Rathaus wollen die Kleingärtner nicht üben, zumindest nicht offen. "Die Zusammenarbeit ist gut", versichert Hans-Joachim Siegel. Geld sei da für Wege, Anlagen oder Spielplätze. Aber beim großen Auftritt wünsche man sich mehr Rückenwind. Und es wird sogar notiert, dass die Kleingärten auf einer neuen Vereinsseite im Internet bei "Freizeit und Stadtgrün" gar nicht genannt werden.
Das Rathaus versucht, den Druck rauszunehmen und verkauft das Papier als gemeinsames Projekt ohne Vorwürfe.
Wörtlich heißt es: "Von Kritik an der Stadt Chemnitz kann hier keine Rede sein." Man wolle unter anderem "zeitgemäße Social-Media-Kanäle" aktivieren oder Informationen zu Baumaßnahmen von Leistungsträgern künftig früher weitergeben.