Chemnitz - Der Abriss beschlossen, ein Neubau vom Tisch - doch auf dem Chemnitzer Sonnenberg ist der Kampf um die Hainbrücke längst nicht beendet. Im Gegenteil: Neue Zählungen, eine Petition und ein Brückenbrunch lassen die Diskussion um die wichtige Verbindung zur Innenstadt wieder aufflammen.
Im November soll die marode Fuß- und Radwegbrücke verschwinden. Einen Neubau hatte der Stadtrat aus Kostengründen abgelehnt. Doch immer mehr Anwohner wollen sich damit nicht abfinden.
Eine von ihnen ist Karola Köpferl (35). Sie sitzt im Rollstuhl und nutzt die Brücke regelmäßig auf dem Weg zur Straßenbahn und weiter zu ihrem Arbeitsplatz an der TU. "Für mich als Person im Rollstuhl, aber auch für Menschen mit Fahrrad, Kinderwagen braucht es diese Brücke einfach", sagt sie.
Mit weiteren Sonnenbergern gründete sie das "Bündnis Brücke" und startete eine Petition für einen Neubau. Weit über 1000 Menschen haben bereits unterzeichnet.
Köpferl will erreichen, dass die Brücke noch einmal im Stadtrat und im zuständigen Ausschuss landet: "Es sollen neue Zahlen auf den Tisch. Das Thema darf nicht einfach abgetan werden nach dem Motto: Die Brücke ist dann eben weg."
Ehrenamtliche erhebt eigene Datenlage zur Brückennutzung
Nachdem die Stadt trotz unklarer Datenlage von einer zu geringen Nutzung spricht, zählen die Anwohner inzwischen selbst.
Zehn Ehrenamtliche stellten sich zu unterschiedlichen Tageszeiten an die Brücke und notierten in halbstündigen Abschnitten, wer sie überquert. Aktuell gehen die "Zähler" werktags von mehr als 100 Personen pro Stunde aus.
Am Sonntag soll der Protest nun sichtbar werden. Ab 10 Uhr lädt das "Bündnis Brücke", ein Zusammenschluss aus Anwohnern und Unterstützern sowie Grünen und Jusos, direkt an der Hainbrücke zu einem gemeinsamen Brückenbrunch ein.
Dort sollen auch die Ergebnisse der Zählungen bekannt gegeben werden.