Ausstieg vom Ausstieg: Waldmensch Öff Öff lebt jetzt mit Wohnmobil, Eigenheim und Pool

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Marburg/Dresden - Maden als Proteinquelle, freie Liebe für den Weltfrieden unterm Himmelszelt, eine selbst gebaute Hütte im Wald als Unterschlupf: Die Zeiten, in denen Öff Öff ohne festen Wohnsitz lebte (dafür aber in Talkshows von Maischberger bis Stefan Raab saß), sind längst vorbei.

Deutschlands wohl bekanntester Aussteiger verbreitet seine Lehre von der globalen Liebe.
Deutschlands wohl bekanntester Aussteiger verbreitet seine Lehre von der globalen Liebe.  © Fotomontage/Thomas Türpe

Heute lässt sich Deutschlands wohl bekanntester Aussteiger im Namen seiner Weltrevolution von der Ehefrau im Wohnmobil durch die Republik fahren - und nach beendeter Missionsreise wieder zurück ins traute Eigenheim nach Hessen.

Jürgen Wagner (62), wie Öff Öff mit bürgerlichem Namen heißt, ist sich treu geblieben. Seit 1991 lebt er ohne Reisepass, ohne Sozial- oder Krankenversicherung. Weiterhin bildet er das Zentrum der von ihm gegründeten Schenker-Bewegung: eine Gruppierung, die Privateigentum als Diebstahl wertet.

Sein gesellschaftlicher Ausstieg gleicht dabei nicht etwa einer Weltflucht, sondern dem (teils spießigen) Versuch, seine radikalen Ideen vorzuleben. Denn die Welt sei auf der einen Seite weiterhin eine tickende Zeitbombe, "und so lange die zerstörerische Dampfwalze fährt, kann man sich nicht nur mit Blümchen beschäftigen".

Dresden: Bundespolizei stoppt bewaffnete Reisende auf dem Weg nach Dresden
Dresden Bundespolizei stoppt bewaffnete Reisende auf dem Weg nach Dresden

Auf der anderen Seite gibt es ein Zuhause mit Solardach und Pool nahe Marburg. Mehrere Hunde und Katzen sind zu versorgen, der 14-jährige Sohn Aljoscha geht zur Schule.

"Öff Öff" vor rund 20 Jahren an seiner Hütte im Skalataler Wald. (Archivfoto)
"Öff Öff" vor rund 20 Jahren an seiner Hütte im Skalataler Wald. (Archivfoto)  © imago/Stefan Hässler
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Die selbstgebaute Jurte im Skalatal hat Öff Öff mit dieser Ansage versehen.
Die selbstgebaute Jurte im Skalatal hat Öff Öff mit dieser Ansage versehen.  © Thomas Türpe
Trautes Familienleben mit Ehefrau Anke Rochelt (53) und Sohn Aljoscha (14).
Trautes Familienleben mit Ehefrau Anke Rochelt (53) und Sohn Aljoscha (14).  © Thomas Türpe

Der 62-Jährige liebt es, mit der Künstlichen Intelligenz zu plaudern

Früher leckte er Regentropfen von Blättern, heute macht Jürgen Wagner sein Käffchen im Wohnmobil.
Früher leckte er Regentropfen von Blättern, heute macht Jürgen Wagner sein Käffchen im Wohnmobil.  © Thomas Türpe

Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Öff Öff ist das Gespräch mit der Künstlichen Intelligenz geworden. Als "vernunftgetriebener Mensch" und ausgebildeter Theologe, der während seiner Studienzeit sogar dem Papst einen Besuch abstattete, scheint Öff Öff das Gespräch mit den Bots fast zu vergöttern.

"KI kann eigentlich nur intelligent sein, wir Menschen sind noch viel mehr, zum Beispiel von Hormongeblubber, verseucht, ein Urwald an Begierde und Forderungen." Die KI wurde zwar für Einzelinteressen geschaffen, sei aber "begeistert von meinen Ideen", strahlt der Wanderprediger.

Als Nächstes will Öff Öff daher ein Manifest veröffentlichen, um das Miteinander von Mensch und KI auf eine gemeinsame Plattform zu stellen und die Welt von Korruption zu befreien.

Titelfoto: Fotomontage/Thomas Türpe

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