Baumhäuser und gesperrte Wege: Jetzt wollen Aktivisten den Wald vor der Rodung retten

Dresden - Kies machen oder Kies lassen? Beim Kampf gegen die geplante Erweiterung eines Kiestagesbaus bei Radeburg, nördlich von Dresden, sind Öko-Aktivisten aktiv geworden. Sie besetzten kurzerhand den Wald, der für die Tagebauerweiterung weichen soll.

Frieder Hafer (18, l.) und Mike (18) fordern "Climate Justice" (deutsch: Klimagerechtigkeit).
Frieder Hafer (18, l.) und Mike (18) fordern "Climate Justice" (deutsch: Klimagerechtigkeit).  © Eric Münch

Auf einer 134 Hektar großen Fläche will das Kieswerk Ottendorf-Okrilla künftig Kies abbaggern. Der Naturschutzbund Sachsen hat bereits Beschwerde bei der EU eingelegt.

Darauf will sich eine Gruppe lokaler Umweltschützer aber nicht verlassen.

Die Aktivisten haben jetzt aus Protest ein betroffenes Waldstück besetzt. In selbstgebauten Baumhäusern haben sie sich eingerichtet, von den Ästen hängen Banner, der Waldweg ist verbarrikadiert. "Alle Bäume speichern CO2 - sie sind in Zeiten der Klimakrise essenziell notwendig", sagt "Baumbesetzer" Markus Brehm. Außerdem dürfe der Kies nicht abgebaut werden, da er für die Filterung des Grundwassers wichtig sei.

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Die Besetzer sind eine lose Gruppe von Naturschützern zwischen 16 und 30 Jahren aus Dresden und Umgebung, die sich durch Klimaproteste kennengelernt haben.

Sie bauten vergangene Woche heimlich ihre Baumhäuser, jetzt machen sie den Protest öffentlich. Etwa 30 Aktivisten sollen bisher beteiligt sein, ein harter Kern harrt Tag und Nacht im Wald aus, schläft selbst bei Regen und Sturm in den Baumhäusern.

"Wir werden das hier so lange machen, wie es nötig ist", sagt Aktivist Mike (18).

Die Aktivisten schützen sich auf ihren Baumhäusern mit Planen vor Wind und Regen.
Die Aktivisten schützen sich auf ihren Baumhäusern mit Planen vor Wind und Regen.  © Eric Münch
Die Waldbesetzer Markus Brehm (l.) und Rainer (21) wollen nicht weichen - den Waldweg haben sie verbarrikadiert.
Die Waldbesetzer Markus Brehm (l.) und Rainer (21) wollen nicht weichen - den Waldweg haben sie verbarrikadiert.  © Eric Münch
In ihrem Waldlager basteln die Besetzer an Transparenten - oder singen Lieder zur Ukulele.
In ihrem Waldlager basteln die Besetzer an Transparenten - oder singen Lieder zur Ukulele.  © Eric Münch
Naturschützer Frieder Hafer (18) hisst mit Kletterausrüstung ein Banner.
Naturschützer Frieder Hafer (18) hisst mit Kletterausrüstung ein Banner.  © Eric Münch

Das Kieswerk Ottendorf-Okrilla will den Dialog suchen: "Wir stehen offen und vorbehaltlos zu Gesprächen bereit", teilt das Unternehmen auf TAG24-Anfrage mit. Der Tagebau würde das Grundwasser nicht gefährden, der Wald soll klimaverträglich wieder aufgeforstet werden.

Titelfoto: Eric Münch

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