Bis Ende September sollen alle raus: Künstler in Not - Stadt will ihr Haus verkaufen
Dresden - Kampf um die Meschwitzstraße 16a (Albertstadt): Seit Jahrzehnten haben rund 150 Musiker und Künstler hier ihre Proberäume und Ateliers, zahlen dafür günstige Mieten an die Stadt. Doch jetzt soll das Gebäude an die Handwerkskammer verkauft werden. Dabei steht die freie Kunst- und Musikszene in Dresden schon unter Druck.
Bereits voriges Jahr wurde bekannt, dass die Handwerkskammer das Gebäude kaufen und für eigene Zwecke nutzen möchte.
Ein herber Schlag für die Kreativen, die derzeit im Haus proben und arbeiten. Als Gegenwehr legten sie der Stadt ein eigenes Konzept für die Zukunft des maroden, rund 1500 Quadratmeter großen Gebäudes vor.
Vergeblich! Aus einer Rathausvorlage geht nun hervor, dass die Handwerkskammer den Zuschlag bekommen soll. Grund soll die Nähe zum Hauptsitz der Kammer und der Sanierungsbedarf sein.
Den aktuellen Mietern wurde schon gekündigt, bis Ende September müssen sie spätestens raus.
Völlig desillusioniert sagt Holzbildhauer Benjamin Schluttig (41): "Unser Konzept war ernsthaft und gut. Die junge Szene an Kunst- und Kulturschaffenden hat in Dresden einfach keine Lobby."
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Der Bauausschuss muss über die Rathausvorlage entscheiden
Auch Musiker Lucca Miró Heymel-Münzner (25) würde gerne bleiben. "Es herrscht Unverständnis darüber, dass das Haus verkauft werden soll, obwohl wir noch aktiv drin sind."
Zwar befinde man sich derzeit in Gesprächen für einen alternativen Standort an der Hahnebergstraße 6. Hier will die Stadt das Erbbaurecht vergeben, doch es gibt einen Mitbewerber. "Es ist offen, ob wir den Zuschlag diesmal bekommen", sagt Heymel-Münzner.
Einen "Köder" nennt Holzbildhauer Schluttig die mögliche Alternativimmobilie in Plauen. "Für meine Arbeit ist sie zum Beispiel nicht geeignet."
Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Der Bauausschuss muss noch über die Rathausvorlage entscheiden.
Lucca Miró Heymel-Münzner hat einen Appell an die Stadträte: "In Dresden klaffen Angebot und Nachfrage nach Proberäumen und Ateliers immer weiter auseinander. Es dürfen keine Räume wegfallen. Musiker und Künstler brauchen stattdessen mehr Platz."
Titelfoto: Bildmontage: Stefan Häßler, Steffen Füssel, Ove Landgraf

