Das grüne Wahrzeichen von Gompitz: Hier kommt das Ende für den alten SED-Turm

Gompitz - Viel ist nicht mehr übrig: Binnen weniger Tage hat der Abrissbagger den "Grünen Turm" an der A17 zwischen Freital und Dresden in einen Haufen Schutt verwandelt.

Mit dem "Grünen Turm" verschwindet ein Stück Zeitgeschichte. Bis Ende Februar soll der Abriss beendet sein.
Mit dem "Grünen Turm" verschwindet ein Stück Zeitgeschichte. Bis Ende Februar soll der Abriss beendet sein.  © Patrick Wagner und Norbert Neumann

Damit verliert Gompitz nach mehr als 60 Jahren sein weithin sichtbares Wahrzeichen. Seine eigentliche Funktion hatte das einst 21 Meter hohe Bauwerk aber bereits vor Jahrzehnten eingebüßt.

Die bestand aus der Schaffung einer sicheren und immer verfügbaren Funkverbindung der SED-Bezirksleitung nach Berlin.

Weil das Telefonnetz in der DDR in den 50er-Jahren dafür zu schlecht war, begannen 1952 die Planungen für ein sogenanntes Richtfunknetz, bei dem die Signale über verschiedene Stationen gesendet wurden. 1959 ging der Turm in Gompitz in Betrieb und ersetzte damit seinen Vorgänger in Hellerau.

"Das Netz ermöglichte es, 24 Gespräche parallel zu führen. Mit dem damaligen Telefonnetz war das illusorisch", erklärt Patrick Wagner (52). Der Pirnaer hat sich intensiv mit der Geschichte des Richtfunknetzes der SED beschäftigt und 2019 ein Buch zu dem Thema veröffentlicht.

Patrick Wagner (52) forscht seit Jahren zum "Grünen Turm" und dem Richtfunknetz der SED.
Patrick Wagner (52) forscht seit Jahren zum "Grünen Turm" und dem Richtfunknetz der SED.  © Norbert Neumann

Sogar die Stasi verwendete den "Grünen Turm" in Gompitz für einige Jahre

Der Unterhalt des Turms war zu teuer. Deshalb wurde bereits 2019 daneben ein Mast gebaut.
Der Unterhalt des Turms war zu teuer. Deshalb wurde bereits 2019 daneben ein Mast gebaut.  © Norbert Neumann

Weil nicht nur die SED das Problem mit den Telefonverbindungen hatte, nutzte ab 1965 auch die NVA den Turm, sagt Wagner. Um deren Technik unterzukriegen, wurde er sechs Jahre später mit einem Anbau vergrößert.

Ab 1978 verwendete dann auch die Stasi den Turm, allerdings nur als Träger für die Antennen ihres eigenen Netzes. Dafür zahlte sie sogar Miete an die SED - 1174 Mark pro Jahr.

Bewacht wurde das Ganze rund um die Uhr von zwei bewaffneten Polizisten. Damit diese den Turm im Ernstfall auch verteidigen konnten, hatten die oberen Fensterläden Schießscharten.

In den Achtzigern war das normale Telefonnetz dann aber so gut, dass der Turm an Bedeutung verlor. 1984 wurde er an die Post übertragen. So gelangte er zur Deutschen Funkturm, die das mittlerweile marode Bauwerk nun abreißen lässt.

Die Antennen vom Dach sind auf den höheren Mast umgezogen, der seit 2019 direkt daneben steht.

Titelfoto: Patrick Wagner und Norbert Neumann

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