Rathaus lässt sich Ruine für 2,4 Millionen Euro andrehen

Dresden - Es hatte so gut gepasst! Nach fast zwei Jahren erfolgloser Suche hatte das Rathaus im Jahr 2016 einen geeigneten neuen Standort für die Berufsvorbereitende Ausbildungsstätte (BALD) gefunden. 

Nicht sanierbar: Diese Schrott-Immobilie an der Blasewitzer Straße ließ sich die Stadt andrehen.
Nicht sanierbar: Diese Schrott-Immobilie an der Blasewitzer Straße ließ sich die Stadt andrehen.  © Ove Landgraf

Das alte Schulgebäude an der Blasewitzer Straße 60, in dem zuletzt die Pension und Gaststätte "Papagei" residiert hatte, sollte es sein und wurde gekauft. Vier Jahre später ist klar: Die BALD wird dort so bald nicht einziehen. Stattdessen kommen die Abrissbagger.

"Es stand eine Liegenschaft zur Verfügung, welche sowohl den besonderen Anforderungen der BALD entsprach, als auch mit verschiedenen Umbaumaßnahmen eine schnelle Inbetriebnahme erwarten ließ", erklärt das Rathaus den damaligen Kauf.

Dafür akzeptierte man dann auch den Kaufpreis von 2,4 Millionen Euro, obwohl der rund 900 000 Euro über dem von Gutachtern ermittelten Wert lag.

Dann der Schock: Bei genaueren Untersuchungen nach dem Kauf wurde festgestellt, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich ist.

"Weil der erwartete Zeitvorteil und der Kostenvorteil einer Sanierung gegenüber einem Neubau nicht mehr gegeben war, musste die Standortentscheidung neu bewertet werden", heißt es aus dem Rathaus. Ergebnis der Bewertung: Der Neubau soll auf einem Grundstück der Stadt an der Ecke Pirnaer Landstraße/Neudobritzer Weg entstehen. Die Entscheidung darüber will der Stadtrat am Donnerstag treffen.

Doch wer hat hier gepennt? Rückblick: 2016 bot die Akademie für berufliche Bildung (AFBB) die Immobilie als "sanierte Gewerbeimmobilie" im "bevorzugten Stadtteil Striesen" an. Auch weil bis zum Schluss Schulbetrieb stattfand, konnte das Liegenschaftsamt (damals unter Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann) nur grob den Sanierungsbedarf schätzen. Das wurde dem Rat so auch mitgeteilt.

Der Standort wurde dennoch als "sehr gut geeignet“ mit "gutem allgemeinen Zustand" bezeichnet. Das Risiko sei überschaubar, die Katze sollte im Sack gekauft werden. 

Im Laufe der Jahre dämmerte das auch der Verwaltung: "Da sind wir ganz schön reingefallen. Wir als Räte haben uns damals auf das Liegenschaftsamt verlassen müssen. Doch dort wurde dem schönen Schein einer Pinselsanierung geglaubt. Zukünftig muss vor jedem Kauf ein vernünftiges Gutachten stehen", sagt Tilo Wirtz (52), Bauexperte der Linken.

"Sämtliche Sorgfaltspflichten beim Erwerb einer Immobilie wurden missachtet. Es sollte auf Biegen und Brechen gekauft werden", kritisiert auch Stadtbezirksbeirat Carsten Biesok (51, FDP). Wie es mit der Immobilie nun weitergeht, ist offen. Ein Verkauf ist ebenso eine Option wie ein Abriss.​

Titelfoto: Ove Landgraf

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