Hausbesuch bei Elbe Flugzeugwerken: Was dort mit Jubiläums-A380 passiert

Dresden - Was sie können, ist europaweit einzigartig: Die Elbe Flugzeugwerke (EFW) in Dresden sind auf die Wartung und den Umbau des A380 – dem größten Passagierflieger der Welt – spezialisiert. Seit Anfang Februar lässt die Lufthansa auf dem Firmengelände ein "Retrofit" für einen Großteil ihrer Superjumbo-Flotte durchführen. Im Hangar 285 ist derzeit die Jubiläumsmaschine mit XXL-Kranich an der Reihe.

Mit einer Spannweite von 79,8 Metern und einer Höhe von 24,1 Metern (entspricht einem achtstöckigen Wohnhaus) steht der Jubiläums-A380 der Lufthansa im Hangar der Elbe Flugzeugwerke.  © Stefan Häßler

"Mike-Hotel" erhält wie der bereits fertiggestellte Riesenvogel namens "Mike-Charlie" eine komplett neue Business-Class. Dafür sind die alten 78 Sitze bereits ausgebaut worden. Später kommt dann ein neues, komfortableres Modell hinein, das noch verpackt in großen Kartons in der Halle steht.

"Es waren fünf 40-Tonnen-Lkw notwendig, um die Sitze von der Firma 'Thompson Aero Seating' aus Irland über Frankfurt nach Sachsen zu transportieren", erzählt Tim Kaya (38), Kabinen-Flottenmanager bei Lufthansa, gegenüber TAG24.

Jeder Passagier der Reiseklasse könne seinen Platz künftig direkt vom Gang aus erreichen. "Dafür verzichten wir an den Fensterseiten auf insgesamt zehn Plätze." Weitere Vorteile im Vorher-Nachher-Vergleich seien die größere Sitzfläche mit vollständig möglicher Liegeposition, mehr Privatsphäre durch eine Sichtblende, eine Bluetooth-Verbindung und ein Ablagefach.

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"Der Preis für einen Doppel-Sitz entspricht dabei einem neuwertigen Kleinwagen", hält sich Kaya hinsichtlich konkreter Zahlen bedeckt. Ihm zufolge ist der Austausch ein Teil des sogenannten "C-Checks", bei dem das Flugzeug mit seinen Komponenten detailliert überprüft wird. "Zwei unserer acht A380 erhalten sogar einen 'D-Check' – die umfangreichste Form der Wartung." Sie werde wegen des Aufwands und der Kosten in Asien durchgeführt.

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Ungewohnter Anblick: Die Business-Class des Superjumbos ist aktuell leer geräumt.  © Stefan Häßler
Die alten Sitze haben ausgedient – wurden daher entfernt.  © Stefan Häßler
Flottenmanager Tim Kaya (38) saß auf dem neuen Modell im typischen Lufthansa-Blau schon einmal Probe.  © Stefan Häßler

Aircraft-Manager über A380-Projekt: "Mich begeistert die schiere Größe"

Aircraft-Manager Jens Wurnisch (59) verantwortet Umbau und Wartung des Riesenvogels.  © Stefan Häßler

Etwa 35 Tage wird der Megaliner in Dresden verbleiben. Während einer Sechs-Tage-Woche werkeln circa 80 bis 100 Leute in zwei Schichten (von 6 bis 22 Uhr) an dem Airbus.

Dazu gehören beispielsweise Fluggerätemechaniker und Avioniker für die elektrischen Systeme, wie Aircraft-Manager Jens Wurnisch (59) erklärt, der bei den EFW seit 1990 tätig ist und privat selbst gerne mit dem Riesenvogel fliegt.

"Mich begeistert am meisten die schiere Größe des Projekts und natürlich des Flugzeugs", sagt der Koordinator, der alles im Blick haben muss. Er weiß, dass Teamwork entscheidend ist.

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Bis November sollen die Modernisierungs- und Wartungsarbeiten der EFW an den noch ausstehenden vier Lufthansa-Maschinen abgeschlossen sein. "Während der Sommerferien in Bayern wird es dabei eine Pause geben, weil wir alle A380 für Flugreisen brauchen", verrät Kaya.

Die Verkabelung der Business-Class befindet sich im Fußboden und ist über das Main-Deck erreichbar.  © Stefan Häßler
Die EFW-Mitarbeiter Leon (22, l.) und Mohammed (33) inspizieren ein Triebwerk.  © Stefan Häßler

Doch wie lange soll der Riese der Lüfte überhaupt noch für Lufthansa im Einsatz sein? Dazu erklärt der Flottenmanager: "Unsere Strategie reicht bis ins nächste Jahrzehnt. Der Zeitpunkt der Ausflottung, dem sogenannten 'Phase-Out', der A380 ist natürlich auch von den Flugzeugneuauslieferungen der Airbus-A350-, Boeing-787- und Boeing-777-Modelle abhängig."

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