Dresden - Auf Dresdens größter Baustelle drehen sich die Kräne auch sonntags. Im kommenden Jahr soll die European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC) neben der bereits bestehenden Bosch-Fabrik an der Wilschdorfer Landstraße in Klotzsche fertig werden. Wie es beim zehn Milliarden Euro teuren Projekt der Chipindustrie vorangeht, durften am Sonntag Bewohner der Nachbargemeinde Volkersdorf bestaunen.
Wo vorm Baustart im August 2024 noch eine Wiese blühte, ragen jetzt weithin sichtbar rund 20 Baukräne in die Höhe. Allein für die Bodenplatte der künftigen Chipfabrik (je 200 Meter breit und lang) waren eine halbe Million Kubikmeter Erde ausgehoben worden, das entspricht circa 30.000 Lkw-Ladungen.
Insgesamt 600 Firmen sind beteiligt, aktuell rund 1000 Arbeiter "aus aller Herren Länder" auf der Baustelle aktiv, wie ESMC-Geschäftsführer Christian Koitzsch (50) sagt. "Wenn es an den Innenausbau Ende des Jahres geht, werden es in der Spitze sogar über 5000 Arbeiter sein."
Bis zum Winter muss aber erst mal das Dach fertig werden. Die Träger werden auf einem nahen Areal zusammengesetzt und dann über eine Baustraße zur Fabrik transportiert, wo sie zwei Spezialkräne (können je bis 800 Tonnen heben) aufs Gebäude hieven.
Das erklärt Koitzsch auch einer Gruppe Volkersdorfern, die ihren neuen Nachbarn bei einem Rundgang Fragen stellen durften.
Bewerbungen sind derzeit möglich
Was den Baufortschritt betrifft, liege man im Soll. Während der Rohbau der Fabrik weiter wächst, steht das Bürogebäude (fünf Stockwerke mit Fahrstuhl und Rolltreppen) bereits, eine Luftbrücke verbindet beide Komplexe später.
Rund 100 Mitarbeiter gehören aktuell zum ESMC-Team. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt des Mikroelektronik-Weltmarktführers TSMC, Bosch, Infineon und NXP.
Wenn die Mikrochips (bis zu 12/16 Nanometer klein) für Autos (werden etwa für Bremsen, Fensterheber, Infotainment, Radarsysteme benötigt) und Internet of Things ("IoT") im Schichtsystem vom Band laufen, sollen es 2000 Kräfte sein - Bewerbungen (www.esmc.eu) sind möglich.
Es wird natürlich auch eine Kantine geben. "Mit asiatischer Küche", weiß Koitzsch bereits jetzt. "Für unsere taiwanesischen Kollegen ist Essen extrem wichtig."