Neustadt ausgeschlossen! Dresden vergrämt Anbieter zum Auto-Teilen

Dresden - Carsharing wird immer beliebter, auch in Dresden. Schließlich kann man damit auch ohne eigenes Auto die Vorzüge dieses Verkehrsmittels nutzen, wenn man es braucht. Doch während man sich in Leipzig und vielen anderen Großstädten das nächstgelegene Fahrzeug einfach für die Fahrt von A nach B ausleihen und es am Zielort stehen lassen kann, funktionieren Leihe und Rückgabe in Dresden nur an festgelegten Stationen. Man muss damit also immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Und dabei wird es wohl auch bleiben.

Die "Cityflitzer" von Teilauto kommen nicht nach Dresden.
Die "Cityflitzer" von Teilauto kommen nicht nach Dresden.  © PR

Schuld daran ist der Stadtrat. Der hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause sogenannte Sharingleitlinien beschlossen, in denen der Umgang mit ausleihbaren Autos, Fahrrädern und Rollern geregelt wird.

In diese wurden auch flexible, stationslose Angebote aufgenommen, für die die Betreiber eine pauschale Park- und Sondernutzungsgebühr zahlen müssen, damit die Autos auf den Straßen abgestellt werden dürfen.

Eine Ausnahme sollte lediglich die Innere Altstadt sein. Auf Antrag der Dissidenten wurde diese Variante mit den Stimmen von Linken, CDU und AfD aber auch in der Neustadt verboten und damit genau dort, wo die meisten Carsharing-Nutzer leben.

Stadtrat Stefan Engel (29, SPD) kritisiert die Ratsentscheidung als Blockade von Carsharing.
Stadtrat Stefan Engel (29, SPD) kritisiert die Ratsentscheidung als Blockade von Carsharing.  © Ove Landgraf
Martin Schulte-Wissermann (51, Piraten) ist gleichzeitig für und gegen Carsharing.
Martin Schulte-Wissermann (51, Piraten) ist gleichzeitig für und gegen Carsharing.  © Norbert Neumann

Blockiert der Stadtrat den Carsharing-Ausbau in Dresden?

Teilauto-Regionalleiter Marcus Buchfeld (29) muss seine Kunden weiter vertrösten.
Teilauto-Regionalleiter Marcus Buchfeld (29) muss seine Kunden weiter vertrösten.  © PR

Am gestrigen Freitag kam die Quittung von Dresdens führendem Anbieter Teilauto.

"Es ist extrem frustrierend. Seit Jahren vertrösten wir unsere Dresdner Kunden in Sachen cityflitzer und jetzt klappt es wieder nicht. Ohne die Äußere Neustadt ergibt ein Start in Dresden keinen Sinn", sagt Regionalleiter Marcus Buchfeld (29).

Denn das Angebot rechnet sich dann einfach nicht. Die SPD wirft der Stadtratsmehrheit nun vor, den Carsharing-Ausbau zu blockieren.

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"Während private SUVs weiterhin für jährlich 30 Euro überall abgestellt werden dürfen, wird dies Carsharing-Anbietern verwehrt. Dabei sorgt Carsharing nachweislich dafür, dass Menschen auf ihr eigenes Auto verzichten und so der Parkdruck abnimmt", so Stefan Engel (29).

Das sieht auch Dissidenten-Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (51, Piraten) so, lehnt das Ausleihen ohne Station jedoch ab, weil es "dazu verführt, dass auch kurze Wege mit dem Auto zurückgelegt werden." Es sei aber nicht Ziel des Carsharing, in Konkurrenz zu Fuß-, Rad- und Öffentlichem Verkehr zu treten.

Titelfoto: PR

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