Eine gute Idee aus Dresden verkauft sich in alle Welt: Bei Elaskon läuft’s wie geschmiert
Dresden - Elaskon, da war doch was?! Genau, denn mit der legendären Mittel K 60 ML aus Dresden ließ sich die Lebenserwartung von Trabis und Wartburgs in der DDR verlängern.
Alles in Kürze
- Elaskon aus Dresden schmiert Drahtseile weltweit.
- Das Unternehmen exportiert 4000 Tonnen Schmierstoffe pro Jahr.
- Elaskon beschäftigt 100 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 38,1 Millionen Euro.
- Die Firma entwickelte die 'Elaskon-Weißwurst' für Korrosionsschutz bei Eisenbahntrassen.
- Elaskon forscht an Öko-Schmiermitteln auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

Dank des sächsischen Hohlraumkonservierungsmittels konnte Rost per Alu-Sprühflasche in Schach gehalten werden.
Wer allerdings allzu spendabel mit dem Konservierungsmittel umging, verriet sich, indem er auf Parkplätzen bei Sommerhitze eine schwarze Pfütze hinterließ.
Alles begann 1956 mit der Idee des Dresdners Günther Gedecke (†95), ein Schmiermittel für Drahtseile zu entwickeln.
Damit konnte nicht nur die Reibung zwischen den einzelnen Drähten reduziert werden. Gleichzeitig schützte seine Erfindung vor Korrosion.
Weil der Schmierstoff also "elastisch" und zugleich "konservierend" war, baute sich Gedecke ein Kofferwort als Namen für sein Baby: Elaskon. 1959 wurde der Markenname der Allzweckwaffe patentiert.


Elaskon der Schmierstoff aus Sachsen

Im Jahr 1972 wurde der gleichnamige Betrieb zwar verstaatlicht, Gedecke aber zum Generaldirektor des neuen VEB Kombinat Elaskon Dresden berufen. Nach der Wende wurde ihm das Werk 1990 durch die Treuhand rückübertragen. Doch die Elaskon-Kundschaft saß nur im Ostblock, in Polen, Ungarn, der neu gegründeten Slowakei.
Um sich auch westliche Märkte zu erschließen, suchte Gedecke nach einem Käufer. "1993 kaufte mein Vater Karl den Betrieb und lobte die engagierte Belegschaft", sagt der heutige Geschäftsführer Tobias Schwald (41) aus Kempten (Bayern). Doch ausgerechnet in einem Betrieb für Korrosionsschutzmittel fanden die Kemptener rostige Produktionsanlagen vor.
Nach dem Neubau einer Produktionsanlage für 3,5 Millionen Euro gingen die Außendienstmitarbeiter auch Richtung Westen Klinken putzen. Aber: Ein Mittel zu verkaufen, das Verschleiß und Abrieb verringert und damit die Lebensdauer verlängert, empfanden viele Drahtseilproduzenten als geschäftsschädigend.
Doch inzwischen steckt in jedem Drahtseil ein Schmiermittel. So hat Elaskon die Wendezeiten nicht nur unbeschadet überlebt, sondern schmiert heute die halbe Welt - gleichsam in Ost und West! Der Schmierstoff aus Sachsen steckt in Seilen der Drahtseilbahn auf den Tafelberg in Kapstadt (Südafrika) ebenso wie in Drahtseilbahnen im Mont-Blanc-Gebiet, zur Zugspitze, zum Nebelhorn oder in Sölden.
Auch Kranseile, Seile von Franklin Offshore Singapur für Ölplattformen und Spezialseile für die Fischerei zum Beispiel in Spanien und Griechenland bekommen ihre Schmierung aus Dresden. Zudem halten sie die Freiluftseile für Hochspannungsleitungen in Südafrika und Syrien in Form.


4000 Tonnen Drahtseil-Schmierstoffe pro Jahr in 67 Länder exportiert

"Allein 4000 Tonnen Drahtseil-Schmierstoffe werden jedes Jahr in 67 Länder exportiert", sagt Tobias Schwald. Seine Firma beschäftigt 100 Mitarbeiter. Jahresumsatz 2024: 38,1 Millionen Euro. Das Geschäft flutscht.
Schließlich entdeckten in Zeiten von Inflation auch die Flughäfen Leipzig/Halle, Braunschweig, Stuttgart, Köln-Bonn und Düsseldorf, die Berliner Stadtreinigung und Autobahnmeistereien in Dresden-Hellerau, Jena und Erfurt das gute alte Elaskon, um ihre Fuhrparks sowie Räum- und Streutechnik rostfrei zu halten. "Allein in China gibt es über 100 Kunden, den größten in der fast 7-Millionen-Metropole Zunyi", sagt Haifeng Han (46), Gebietsverkaufsleiter für China.
Längst stellen die Dresdner auch Schalöle her - eine Art Margarine, damit sich wie beim Kuchenblech die Plätzchen der Beton besser aus Verschalungen löst. Im werkseigenen Labor und in Zusammenarbeit mit der TU Dresden wird im Projekt BioLuB zudem an Öko-Schmiermitteln auf Basis nachwachsender Rohstoffe geforscht.
Im herkömmlichen Elaskon stecken übrigens Bitumen, Wachsprodukte und Additive (Zusatzstoffe). Das genaue Rezept ist ein Betriebsgeheimnis. Und wenn wieder mal jemand fragt, lebt denn das alte Elaskon noch? Dann antworten Sie: "Ja, es lebt noch, es lebt noch!"
In welchem Zustand sich der Unterboden des eigenen Fahrzeugs befindet, kann man bei den Korrosionsschutztagen testen lassen - vom 13. bis 17. Oktober bei Elaskon in Dresden (Lohrmannstraße 3). Termine unter: www.elaskon.de



Die Weißwurst für den Dübel

Beim Bau von Eisenbahntrassen werden die Schienen mit Betonschwellen verschraubt. Dringt an diesen Verschraubungen Wasser ein, können die Schwellen bei Frost im schlimmsten Fall bersten.
Deshalb werden die Schrauben zum Schutz mit einem Fett benetzt, bevor sie in die Dübel gedreht werden. Doch das geschah bislang Pi mal Daumen.
"Die Schrauben wurden in ein Fettbad getaucht und hemdsärmelig mit einem Handschuh abgestriffen", erzählt Geschäftsführer Schwald.
Das muss doch genauer gehen, dachte er sich - und die Familie ersann die "Elaskon-Weißwurst". "Die Idee entstand tatsächlich am Esstisch", verrät der gebürtige Bayer, der seit 13 Jahren in Dresden lebt. Ähnlich wie bei einer Weißwurst wird dabei ein Konservierungsmittel in einen Kunstdarm gepresst - immer genau so viel, wie für einen ausreichenden Korrosionsschutz nötig ist. Die Würstchen gibt's für verschiedene Schrauben in 10-, 12- oder 15-Gramm-Varianten.
"Für die Abfüllung der Schlauchbeutel haben wir extra einen Metzger eingestellt und eine Wurstabfüllmaschine gekauft", sagt Schwald.
"Die Schlauchbeutel zur Schwellenschraubenkonservierung waren unter anderem schon beim Bau von Stuttgart 21, der Rails High Speed Train Sivas in Ankara, der Metro in Doha und in der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Chengdu und Guiyang im Einsatz."
Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, Elaskon/PR