Führerschein-Reform stößt bei Dresdner Fahrlehrern auf Skepsis
Dresden - Digitaler Theorieunterricht, mehr Fahrsimulation, weniger Kosten und kürzere Prüfungszeiten – Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (50, CDU) will den Weg zum Führerschein einfacher gestalten: "Mobilität darf kein Privileg sein", so Schnieder im Oktober. Doch wie sehen Dresdens Fahrschulen die geplanten Reformen?
In Sachsen kostet ein Führerschein im Durchschnitt rund 3300 Euro. Eine Senkung sei grundsätzlich möglich - vorausgesetzt, Steuern und Abgaben wie Mehrwert- oder Einkommenssteuer würden kritisch geprüft, so Peter Losleben (64) vom Sächsischen Fahrlehrerverband. "Weitere Ansatzpunkte könnten in der schulischen Verkehrsausbildung liegen – langfristig teurer, aber pädagogisch sinnvoll."
Vorschläge wie den digitalen Theorieunterricht sehen Dresdner Fahrlehrer wie Andreas Martin (59) kritisch: "Dann würden die Schüler nicht mehr die Zusammenhänge im Auto verstehen, selbst ein Spurwechsel wäre problematisch."
Peter Losleben ergänzt, dass Online-Angebote gerade für lernschwächere Teilnehmer Hürden erhöhen könnten. "Eine Optimierung ist sinnvoll, muss jedoch behutsam erfolgen."
Reformankündigung sorgt im Westen für leere Fahrschulen
Dass die Praxis teuer ist, weiß Andreas Martin, aber: "Ohne richtige Theorie brauchen Schüler am Ende noch mehr Fahrstunden. Dann wird es erst recht nicht billiger."
"viva"-Fahrschul-Chef Ralf Böhm sieht es ähnlich: "Er bereitet auf die Praxis vor, nicht nur auf die Theorieprüfung." Den vermehrten Einsatz von Fahrsimulatoren begrüßt er jedoch: "Hier können die Schüler Motorik sicher erlernen."
Im Westen Deutschlands hat die Reformankündigung für leere Fahrschulen gesorgt, weil Schüler auf niedrigere Kosten warten. Anders sieht es in Dresden aus: "Das liegt am Wendeknick. Während im Westen ein Überangebot an Schulen besteht, haben wir hier weiterhin viel zu tun", so Andreas Martin.
Losleben warnt abschließend: "Die Anforderungen im Straßenverkehr steigen kontinuierlich. Wer sie senken möchte, handelt aus unserer Sicht unverantwortlich."
Titelfoto: Montage: Eric Münch, IMAGO/Sven Simon
