Nach Schicksalsschlägen: Bei "Lacrima" finden trauernde Kinder Trost

Dresden - Wenn Kinder einen nahen Angehörigen verlieren, brauchen sie Halt - und manchmal kommt der von Gleichaltrigen.

In der ersten Stunde gestalten die Kinder bei Trauerbegleiterin Claudia Worch (51) Kerzen.
In der ersten Stunde gestalten die Kinder bei Trauerbegleiterin Claudia Worch (51) Kerzen.  © Holm Helis

Claudia Worch (51) leitet in Dresden bei "Lacrima" von der Johanniter Unfallhilfe Gruppen, in denen genau das passiert: Kinder trösten Kinder, teilen Geschichten und lernen, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind. "Sie sind untereinander alle so empathisch. Es ist schön, mitanzusehen, wenn eine Zwölfjährige auf den Sechsjährigen zugeht", so Worch gerührt.

Eigentlich arbeitet sie im Ministerium, doch nach einer Ausbildung zur Trauerbegleiterin war ihr Ansporn klar: "Es gibt viele Geschichten, wo die Bezugspersonen selbst keine Ressourcen haben, um den Kindern zu helfen."

Deshalb engagiert sie sich seit 2024 ehrenamtlich bei Lacrima - rund 13 Stunden im Monat widmet sie ihrer Gruppe für Sechs- bis Zwölfjährige, inklusive Vor- und Nachbearbeitung. Alle zwei Wochen treffen sich hier maximal zehn Kinder, um gemeinsam zu lachen, zu kickern oder zu basteln.

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Derzeit begleiten 21 Ehrenamtliche rund 60 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Lacrima - die Kapazitäten sind voll ausgelastet.

Besonders beliebt ist in den Trauerstunden der Bewegungsraum, denn Trauer bringt oft angestaute Wut mit sich.
Besonders beliebt ist in den Trauerstunden der Bewegungsraum, denn Trauer bringt oft angestaute Wut mit sich.  © Holm Helis
Jeder bekommt zu Beginn der Trauerbegleitung einen Lacrima-Sorgenfresser.
Jeder bekommt zu Beginn der Trauerbegleitung einen Lacrima-Sorgenfresser.  © Holm Helis
Neben festen Ritualen sind die Gruppenstunden sehr abwechslungsreich: "Wir kochen manchmal, basteln viel, kickern und im Sommer gehen wir viel raus", so Claudia Worch.
Neben festen Ritualen sind die Gruppenstunden sehr abwechslungsreich: "Wir kochen manchmal, basteln viel, kickern und im Sommer gehen wir viel raus", so Claudia Worch.  © Holm Helis

Lacrima-Leiter: "Kinder müssen sich bei einem in der Trauer fallen lassen können"

Kinder trauern "pfützenweise", für Ehrenamtliche Claudia Worch umso wichtiger, immer auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und empathisch zu bleiben. (Symbolfoto)
Kinder trauern "pfützenweise", für Ehrenamtliche Claudia Worch umso wichtiger, immer auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und empathisch zu bleiben. (Symbolfoto)  © IMAGO/ingimage

Lacrima-Leiter Robert Dietsche (65) betont deshalb: "Wir brauchen dringend mehr Menschen wie Claudia, die bereit sind, diese Art der Verantwortung zu übernehmen."

Für die Kinder sei die Gruppe ein sicherer Ort, an dem sie über ihre Verluste sprechen und Trost finden können. Denn allein in Deutschland leben rund 800.000 Kinder, die einen nahen Angehörigen verloren haben - die Nachfrage nach Angeboten wie bei Lacrima ist demnach groß.

Ein Trauerbegleiter müsse Mensch und Fachwissen vereinen, erklärt Leiter Dietsche: "Jeder durchläuft zunächst eine Lacrima-interne Fortbildung und hospitiert."

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Für Worch bedeutet das, neben fortlaufenden Weiterbildungen, aufmerksam zu bleiben und sensibel auf jedes Kind einzugehen: "Ich bin ein Mensch und fühle, aber man darf, trotz der Thematik, nicht mitverzweifelt sein. Kinder müssen sich bei einem in der Trauer fallen lassen können."

Titelfoto: Fotomontage/Holm Helis

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