Harter Energiesparplan! OB Hilbert stoppt Sportbürgermeister in letzter Minute

Dresden - Diesen Sparplan hätte sich der Eigenbetrieb Sportstätten sparen können. Nachdem der Betreiber der städtischen Sportstätten am Donnerstag die Sportvereine darüber informiert hatte, dass ihnen zum Energie sparen unter anderem das warme Wasser abgedreht wird, kam am Freitag die Rolle rückwärts – angeordnet vom OB.

Doch keine kalten Duschen für Dresdens Sportler? (Symbolbild)
Doch keine kalten Duschen für Dresdens Sportler? (Symbolbild)  © 123rf/geckophotos

Zuvor hatte das Schreiben von Betriebsleiter Ralf Gabriel bei Dresdens Sportlern für einen Aufschrei gesorgt.

Der Inhalt: Bis Ende September sollen bei allen kommunalen Sportstätten die Warmwasseraufbereitung und die Flutlichtbeleuchtungen abgeschaltet, die Beleuchtungsstärke auf Sportinnenflächen angepasst, die Betriebszeiten der Eishalle und der Eisschnelllaufbahn verkürzt und die Sportrasenflächen seltener gepflegt werden.

"Wir sind uns über die Tragweite der notwendigen Maßnahmen bewusst", hieß es in dem Brief. Leider sei man durch die derzeitigen Rahmenbedingungen jedoch dazu gezwungen.

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Mit OB Dirk Hilbert (50, FDP) war dieser Schritt aber scheinbar nicht abgesprochen. Prompt pfiff er Freitagmittag Sportbürgermeister Peter Lames (57, SPD) zurück.

Dirk Hilbert weist Einrichtung einer Task Force an

Dresdens OB Dirk Hilbert (50, FDP).
Dresdens OB Dirk Hilbert (50, FDP).  © imago images/Steffen Kuttner

"Das in einem Bereich Fakten geschaffen werden sollen, ohne dass eine politische Abwägung über die Konsequenzen stattgefunden hat, ist nicht hinnehmbar. Aus diesem Grund habe ich den zuständigen Beigeordneten angewiesen, die Maßnahmen im Eigenbetrieb Sport nicht umzusetzen."

Wie Hilbert weiter mitteilte, habe er stattdessen die Einrichtung einer Task Force angewiesen, die "verschiedene Einsparpotentiale prüft" und im August "konkrete Vorschläge unterbreitet".

Ziel müsse ein gesamtstädtisches Konzept sein, das auch soziale Aspekte und Betroffenheit berücksichtigt.

Sportbürgermeister Peter Lames (57, SPD).
Sportbürgermeister Peter Lames (57, SPD).  © Thomas Türpe

Während die FDP das "Machtwort des Oberbürgermeisters" begrüßt, findet die SPD die Maßnahmen richtig. "Wir erleben gerade eine herausfordernde Situation, in der wir alle dazu angehalten sind, Energie zu sparen, wo es nur möglich ist. Das gilt auch für den Sportbereich", sagt Stadträtin Kristin Sturm (36, SPD).

Kommentar: Der große Aufschrei

TAG24-Redakteur Alexander Buchmann.
TAG24-Redakteur Alexander Buchmann.  © Steffen Füssel

Ob wir wollen oder nicht, wir alle müssen Energie sparen. Ob die Beweggründe nun Klimarettung, Preisexplosion beim Strom oder das Sparen von Gas für den Winter sind, ist egal. Und von einigen Gutverdienern abgesehen, kommt auch niemand daran vorbei.

Das gilt auch für die Stadtverwaltung, die immerhin das Steuergeld der Dresdner ausgibt. Dass man im Eigenbetrieb Sportstätten überlegt, was machbar wäre, ist deshalb erst einmal richtig.

Warum man das Ergebnis dieser Überlegungen allerdings nicht mit der Stadtspitze abspricht und stattdessen drei Tage vor der OB-Wahl damit an die Öffentlichkeit geht, ist nicht nachzuvollziehen. Denn der erzeugte Aufschrei bei den Sportvereinen kann doch ebenso wenig jemanden überrascht haben wie das Ausschlachten des Themas im Wahlkampf-Endspurt.

Amtsinhaber Hilbert kann sich als Retter der Sportler inszenieren, seine politischen Gegner ihm erneut vorwerfen, sein Haus nicht im Griff zu haben. Und über das eigentliche Thema, wie sozialverträglich Energie und die damit verbundenen Kosten eingespart werden können, redet niemand mehr.

Nun soll es eine Task Force richten. Man darf gespannt sein, zu welchen Maßnahmen diese raten wird und wie sie die Sportler dafür gewinnen will. Aber erst einmal ist ja Wahl.

Titelfoto: Bildmontage: 123rf/geckophotos & imago images/Steffen Kuttner

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