Dresden - Bei alten Klamotten regiert in Dresden das Chaos. Ständig quellen Container über, Textilmüll verschandelt Gehwege und ärgert Anwohner. Jetzt überlegt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne), die Altkleidercontainer einfach abzuschaffen! Branchenkenner warnen.
Derzeit stehen stadtweit rund 380 Container von verschiedenen Betreibern. Doch das Altkleider-Geschäft steckt in der Krise, auch die Bewirtschaftung der Container klappt mehr schlecht als recht. Oft quillt Kleidung heraus oder landet gleich auf dem Boden. Löst ein neuer Rathaus-Plan das Problem?
Demnach könnten Tonnen auf öffentlichen Flächen abgebaut werden, wenn sich für den Weiterbetrieb ab 2027 nicht genügend Interessenten finden - Altkleider kämen dann auf den Wertstoffhof oder zur Grünannahmestelle. Die aktuellen Verträge mit den Betreibern laufen Ende des Jahres aus. Ob sie weitermachen wollen, ist fraglich.
"Unter den aktuellen Voraussetzungen steigen wir aus. Wir machen mit Altkleidern in Dresden ein Minusgeschäft", sagt Branchenkenner Stefan Sorek (53) vom Kolpingwerk im Bistum Dresden-Meißen (betreibt 49 Container in der Altstadt). Vor einigen Jahren habe man mit einer Tonne Altkleidern noch knapp 200 Euro verdienen können.
"Jetzt liegt der Erlös bei fünf Euro pro geleertem Container. Das reicht nicht mal für die städtischen Nutzungsgebühren."
Deutsches Rotes Kreuz warnt vor unabsehbaren Folgen
Zwar schlägt Bürgermeisterin Jähnigen in ihrer neuen Vorlage vor, dass diese Gebühren künftig wegfallen, trotzdem könnten sich Betreiber zurückziehen. Und dann würden die Altkleidercontainer laut Vorlage eben abgebaut werden.
Doch hätte das überhaupt einen positiven Effekt? Das Deutsche Rote Kreuz (betreibt rund 40 öffentliche Container in Plauen) warnt vor unabsehbaren Folgen.
"Sollten die Container im öffentlichen Raum künftig entfallen, besteht aus unserer Sicht das Risiko, dass sich die Müll-Problematik verlagert oder sogar verstärkt", erklärt DRK-Sprecherin Ulrike Peter (46).
"Dann landen die Kleiderberge wieder im Restmüll und werden verbrannt", sagt auch Stefan Sorek. "Das Hauptproblem ist die schiere Menge an Kleidung, für die es keinen Markt gibt."
Vor dem Ukraine-Krieg sei etwa auch Russland ein großer Textil-Abnehmer gewesen. Auf internationale Krisen hat die Stadt aber wenig Einfluss. "Es ist erst mal positiv, dass die Bürgermeisterin auf das Altkleiderproblem reagiert", meint dagegen Stadtrat Veit Böhm (61, CDU).
Ob ihr Plan eine Stadtrats-Mehrheit findet, zeigt sich im September. Jähnigens letzter Vorstoß, Papiercontainer abzuschaffen, war im Rat zuletzt abgeschmettert worden.