Dresden - Mitten zwischen Zwinger, Frauenkirche und Touristenströmen zog am Sonntag ein Rundgang durch Dresden, der das schöne Stadtbild bewusst stören wollte. Der 16. Mahngang rückte anlässlich des bevorstehenden 13. Februar die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte ins Rampenlicht.
"Wir wollen faschistische Verbrechen in Dresden ins Gedächtnis holen. Das darf niemals in Vergessenheit geraten", erklärte Organisatorin Margot Gaitzsch (71, Linke).
Ziel des Mahngangs sei es, Täter und Institutionen sichtbar zu machen, statt weiterhin den Mythos einer "unschuldigen Kunst- und Kulturstadt" zu pflegen. "Gerade in einer Zeit, in der Nationalismus und Rassismus wieder zunehmend akzeptiert werden, wollen wir zeigen, dass Dresden für Menschlichkeit und Solidarität steht."
Am ersten Halt las Oliver Simon (50) vom Staatsschauspiel Dresden einen Text, der den Blick hinter die Kulisse der kulturellen Pracht lenkte.
Im Fokus standen zwei Stolpersteine. Diese erinnern an Max Hermann Dietze und Ernst Fritz Gottschling, zwei Porzellankünstler aus Meißen, die maßgeblich an der Herstellung und Stimmung der Porzellanglocken im Zwinger beteiligt waren.
Ohne ihr Wirken, so wurde erinnert, gäbe es das berühmte Porzellanglockenspiel vermutlich bis heute nicht.
Dresdner Mahngang führte an Schlossplatz, Fürstenzug und Frauenkirche vorbei
Beide wurden als Zeugen Jehovas von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und entrechtet - Dietze starb 1938 an den Folgen der Haft, Gottschling wurde 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald ermordet.
Der Mahngang führte vom Zwinger über Schlossplatz, Fürstenzug und Frauenkirche bis zum Zoo. An mehreren Stationen ging es um kirchliche Akteure, Polizei und Stadtbehörden als Teil der nationalsozialistischen Verfolgung sowie um verdrängte Täterschaft.