Der Balkon von Dresden feiert 125. Geburtstag: Bewegte Geschichte im Restaurant Luisenhof!

Dresden - Als am 25. September 1895 die Standseilbahn ihren Betrieb aufnahm, bewirtete auch das Ausflugslokal "Luisenhof" an der Bergstation seine ersten Gäste. Diesen Monat feiern Wirt Carsten Rühle (51) und seine Frau Carolin den 125. Geburtstag des "Balkons von Dresden".

Carsten Rühle (51) und seine Frau Carolin (39) stoßen auf den Geburtstag an. Für die Gäste gibt's im September 3- und 4-Gänge-Jubiläumsmenüs.
Carsten Rühle (51) und seine Frau Carolin (39) stoßen auf den Geburtstag an. Für die Gäste gibt's im September 3- und 4-Gänge-Jubiläumsmenüs.  © Eric Münch

Turbulente Jahrzehnte liegen hinter dem "Luisenhof". Die Bewirtschaftung wechselte - die Beliebtheit blieb. 

Der Wirtsfamilie Reck folgen 1920 Hedwig und Albin Voigt. Sie investieren 1930 unter anderem in einen spektakulären elektrischen Automobilaufzug. Nach Kriegsende muss Voigts Sohn Hansotto den Luisenhof an die HO verpachten. 

Es soll nicht der schwerste Schicksalsschlag für die Familie sein. Die jüngste Tochter Helga (15) stirbt 1956 bei einem Brand im Luisenhof.

1975 kauft die Stadt Dresden den Luisenhof - für läppische 300 .000 DDR-Mark. Die Voigts bekommen die Summe in Monatsraten von 3 000 Mark ausgezahlt! 

So ging es für das beliebte Restaurant nach der DDR weiter

1998 ist der Luisenhof eine Komplettbaustelle. Die Sanierung kostete 15 Millionen D-Mark.
1998 ist der Luisenhof eine Komplettbaustelle. Die Sanierung kostete 15 Millionen D-Mark.  © Archivbild

Zur Wende ist der "Luisenhof" abgewirtschaftet. 1997 investiert Bauunternehmer Günther Gsödl in eine zweijährige Generalüberholung. 

Kultwirt Armin Schumann verwöhnt danach über 13 Jahre lang seine Gäste, unter anderem mit jährlich 5000 Martinsgänsen. Ende 2014 wird der Luisenhof für 1,8 Millionen Euro zwangsversteigert, Schumann kündigt vorzeitig die Pacht.

Bis März 2018 bleibt die Küche kalt. Dann übernimmt Familie Rühle den verkleinerten und schick sanierten "Luisenhof". 

Auch sie blicken auf turbulente Jahre. "2019 ist viel passiert. Wir haben das Lokal um einen Raum erweitert. Nur einen Tag nach der Einweihung ist unser Einfamilienhaus abgebrannt", zählt Rühle auf.

Und weiter: "Wir haben fünf Wochen bei den Schwiegereltern gelebt. Und unsere Tochter ist in die Schule gekommen."

Corona und Standseilbahn-Revision legen Lokal lahm, aber nicht komplett!

Seit 125 Jahren lieben die Dresdner ihren Luisenhof - nicht nur wegen der herrlichen Aussicht ins Elbtal.
Seit 125 Jahren lieben die Dresdner ihren Luisenhof - nicht nur wegen der herrlichen Aussicht ins Elbtal.  © Eric Münch

2020 legt Corona das Lokal acht Wochen still. 

Erschwerend wirkt: "Seit Juni wird die Standseilbahn überholt - bis Februar dauern die Arbeiten an. Deshalb holen wir mit einem kleinen Shuttlebus unsere Gäste von der Talstation ab", so Rühle. 

"Trotzdem können wir nicht klagen. Die Dresdner kehren gern bei uns ein und halten uns die Treue. Es wird kein Superjahr, aber wir schaffen es."

Der Chef schließt freudig ab: "2021 ist unser Reservierungsbuch schon voll."

Namensgeberin brannte mit dem Hauslehrer durch

Sie bescherte dem Hochadel einen handfesten Skandal: Luise von Toskana.
Sie bescherte dem Hochadel einen handfesten Skandal: Luise von Toskana.  © Sammlung Rauch / interfoto_rm

Der Name "Luisenhof" erinnert an Luise von Toskana (1870-1947), die Gattin von Prinz Friedrich August von Sachsen

Die in der Bevölkerung überaus beliebte Kronprinzessin brachte sechs Kinder zur Welt. Mit dem siebten Kind vom Hauslehrer ihrer Kinder schwanger, floh die österreichische Erzherzogin mit ihrem Bruder Richtung Genfer See.

Das Ehedrama verursachte 1902 den ersten Riesenskandal im deutschen Hochadel des 20. Jahrhunderts. 

König Georg ließ die Ehe 1903 durch ein Sondergericht scheiden, Luise wurde vom Kaiserhaus in Wien und vom sächsischen Hof verstoßen.

Die historische Postkarte zeigt den Luisenhof um 1910. Im Sommer spielte jeden Montag eine Militärkapelle.
Die historische Postkarte zeigt den Luisenhof um 1910. Im Sommer spielte jeden Montag eine Militärkapelle.  © Sammlung Naumann

Als nach dem Zweiten Weltkrieg Luises Apanagen ausblieben, verstarb sie als Blumenfrau verarmt in Wien.

Titelfoto: Montage: Eric Münch (2)

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