So bewegend lief das Gedenken an die Opfer der Bombardierung von 1945

Dresden - Grauer Himmel über Dresden, nasse Straßen, bewegende Worte. Zum 13. Februar erinnerte die Stadt an die Opfer der Bombardierung von 1945 - an Leid, Verlust und die Verantwortung für heute.

Schon um 9 Uhr versammelten sich Dresdner auf dem Altmarkt.
Schon um 9 Uhr versammelten sich Dresdner auf dem Altmarkt.  © Thomas Türpe

Schon am frühen Freitagmorgen versammelten sich Menschen auf dem Altmarkt und gedachten besonders der 6865 Menschen, die hier einst verbrannt wurden.

Eindrucksvolle Worte fand Pfarrer Albrecht Nollau. Über die damaligen Verbrennungen sagte er: "Es gibt Bilder, da kann man nicht hinschauen und auch nicht wegschauen. Für mich war das ein Urbild des Grauens und des Krieges." Parallel dazu versammelten sich Menschen auf dem Nordfriedhof zum stillen Gedenken.

Am Nachmittag und Abend wurde die Innenstadt zum Symbol der Geschlossenheit. Auf dem Vorplatz des Kulturpalastes startete um 17 Uhr das traditionelle Bürgersingen.

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In Abwesenheit des kurzfristig erkrankten Oberbürgermeisters übernahm Jan Donhauser (56, CDU) als Erster Bürgermeister.

Stilles Gedenken mit Kerzen auf dem Neumarkt.
Stilles Gedenken mit Kerzen auf dem Neumarkt.  © Steffen Füssel
Beim Bürgersingen stimmten die Dresdner Lieder wie "Sag mir wo die Blumen sind" an.
Beim Bürgersingen stimmten die Dresdner Lieder wie "Sag mir wo die Blumen sind" an.  © Steffen Füssel

Menschen aller Generationen schließen sich zusammen

Zehn Minuten lang hielten sich die Dresdner an den Händen.
Zehn Minuten lang hielten sich die Dresdner an den Händen.  © Steffen Füssel

TU-Rektorin Ursula Staudinger (66) betonte mit einer hochemotionalen Rede vor Beginn der Menschenkette die Wichtigkeit dieses Tages: "Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht mehr wegsehen dürfen. Rechtsextreme Kräfte sitzen in unseren Parlamenten und Hass sowie Hetze breiten sich aus. Demokratie braucht uns alle, deshalb sind wir heute zusammengekommen."

Punkt 18 Uhr griffen sich Menschen aller Generationen an den Händen und bildeten zum Läuten der Glocken eine Kette der Solidarität.

Gegen 18.20 Uhr entzündete Donhauser eine Kerze am Kerzenbeet vor der Frauenkirche.

Die Menschenkette erstreckte sich vom Kulturpalast über Theaterplatz, Brühlsche Terrasse, entlang der Frauenkirche und über den Altmarkt.
Die Menschenkette erstreckte sich vom Kulturpalast über Theaterplatz, Brühlsche Terrasse, entlang der Frauenkirche und über den Altmarkt.  © Steffen Füssel

Nur wenige Minuten später verlas er einen Text am "Dresdner Gedenkweg - unterwegs zur Versöhnung".

Das stille Gedenken auf dem Neumarkt soll noch bis 22 Uhr andauern.

Nachdenkliche Worte am Heidefriedhof

Der Erste Bürgermeister Jan Donhauser (56, CDU) gedachte mit einer weißen Rose der Opfer, die auf dem Heidefriedhof begraben sind.
Der Erste Bürgermeister Jan Donhauser (56, CDU) gedachte mit einer weißen Rose der Opfer, die auf dem Heidefriedhof begraben sind.  © Petra Hornig

Auch auf dem Heidefriedhof in Trachau wurde an die Bombardierung Dresdens in literarischer Form erinnert. Mehr als 16.000 Opfer sind hier bestattet - somit gilt der Friedhof als größte Kriegsgräberstätte der Stadt.

Die Reden spiegelten das Spannungsfeld des Gedenkens zwischen Trauer und historischer Verantwortung wider.

Das betonte Justus Ulbricht (71) vom Verein "Denk Mal Fort" und zitierte dabei aus dem Gedicht "Stimmen aus dem Massengrab" (1928) von Erich Kästner: "Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck ... Vier Jahre Mord, und ein paar Kränze heute."

Auch Dresdens Stadtschreiber Alexander Estis (39) fragte mit seinem Beitrag nach den unterschiedlichen Opferperspektiven: "Was ist die Sprache der Toten?", doch viel mehr beschäftigte den Schweizer mit jüdisch-russischen Wurzeln: "Warum können, sollen, dürfen wir gedenken?"

Auch der Erste Bürgermeister Jan Donhauser (56, CDU) begleitete die Gedenkfeier, verharrte am "Aschegrab", wo die Opfer des Altmarkts bestattet sind, und legte gemeinsam mit den Trauernden eine weiße Rose nieder.

Titelfoto: Steffen Füssel

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