"Dreck'sche Hände, strahlende Augen": So geht eine gelungene Städtepartnerschaft!

Dresden - Bonjour Straßburg! Im Rahmen eines zweimonatigen Künstleraustausches arbeitet die Französin Cécile Petry (38) derzeit in der Dresdner Grafikwerkstatt in Striesen. Bei einem Besuch der Oberbürgermeisterin Straßburgs wird klar, warum der Ort für Petry "ein Juwel" ist.

An dieser Maschine entstehen Cécile Petrys Drucke. Als Motive zeichnet sie gern Monster in allen Formen, denn die seien "zwar etwas gruselig, aber auch sehr lustig."
An dieser Maschine entstehen Cécile Petrys Drucke. Als Motive zeichnet sie gern Monster in allen Formen, denn die seien "zwar etwas gruselig, aber auch sehr lustig."  © Thomas Türpe

"Dreck'sche Hände, strahlende Augen - so lautet unser Motto", erklärt Werkstatt-Leiter Peter Stephan (59) schmunzelnd. Und tatsächlich, bei allen Künstlern im Raum ist beides zu erkennen. So auch bei Petry.

Die Straßburgerin steht über eine alte Maschine gebeugt und schiebt gerade die riesige Walze über ihren neuesten Druck.

Aktuell arbeitet sie an einer Aluminium-Lithographie, schnitzt also ihre Motive in das Metall, färbt sie ein und überträgt diese dann aufs Papier.

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"Alles hier ist sehr beeindruckend. Es gibt so viel zu lernen und der Wissensschatz der Leute hier ist unglaublich", schwärmt die 38-Jährige bei dem Besuch der Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian (43) und ihrer achtköpfigen Delegation am Donnerstag.

Für sie sei die Arbeit mit historischen Drucktechniken und Maschinen noch neu und sie selbst sei daher umso wissbegieriger. In der Grafikwerkstatt scheint sie damit genau am richtigen Ort angelangt zu sein.

So kann ein fertiger Druck aussehen. Gedauert hat das Ganze etwa eine halbe Stunde, erklärt Petry.
So kann ein fertiger Druck aussehen. Gedauert hat das Ganze etwa eine halbe Stunde, erklärt Petry.  © Thomas Türpe

Grafikwerkstatt Dresden: Über sechs Jahrzehnte Künstlerförderung in der Elbflorenz!

Seit über 60 Jahren stehen die etwa 600 Quadratmeter im Gebäude der Technischen Sammlungen "für Treffpunkt, Rückzugsort und Arbeitsplatz, als auch für kommunale Werkstatt zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern in Dresden", wie es auf der Webseite heißt.

Mit Begeisterung bringt Leiter Peter Stephan (59) den Künstlern in seiner Werkstatt die verschiedensten Druckmethoden bei.
Mit Begeisterung bringt Leiter Peter Stephan (59) den Künstlern in seiner Werkstatt die verschiedensten Druckmethoden bei.  © Thomas Türpe

"Wir geben professionellen Künstlern hier die Chance, die besten Methoden zu lernen, um bei der gewünschten Ästhetik anzukommen", erklärt Werkstatt-Leiter Stephan.

"Schönes Beispiel" für gelungene Städtepartnerschaft

Die französische Gesandtschaft trifft unter der Leitung der Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian (43, mittig) Dresdnerinnen und Dresdner, die die Städtepartnerschaft gestalten.
Die französische Gesandtschaft trifft unter der Leitung der Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian (43, mittig) Dresdnerinnen und Dresdner, die die Städtepartnerschaft gestalten.  © Thomas Türpe

Der hohe Besuch für die französische Künstlerin ist bis Freitag in der Partnerstadt unterwegs, der erste Besuch der Oberbürgermeisterin seit ihrem Amtsantritt 2020. Die Politikerin trug sich bereits am Mittwoch ins "Goldene Buch" der Stadt ein und besuchte zahlreiche weitere Projekte im Stadtgebiet.

"Céciles Arbeit ist ein schönes Beispiel für unseren kulturellen Austausch", freut sich Barseghian. "Wir hoffen ihre Werke nächstes Jahr in Straßburg auch ausstellen zu können."

Bis zum 11. November ist Petry noch in der Elbflorenz zu Gast und will jede Minute davon genießen. "Ich war schon in Museen und habe auf dem Flohmarkt tolle alte Kartenspiele ergattert", erzählt sie im Gespräch.

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In ihrer Heimat arbeitet sie im Künstlerkollektiv "Le Bastion", über welches sie auch von dem Austausch erfahren hat. Zeitgleich zu ihrem Aufenthalt hier ist die Dresdnerin Svea Dove in die französische Stadt gereist.

An Lob für Cécile Petry (38, rechts) sparten die französischen Politikerinnen nicht, ganz im Gegenteil.
An Lob für Cécile Petry (38, rechts) sparten die französischen Politikerinnen nicht, ganz im Gegenteil.  © Thomas Türpe

Die Städtepartnerschaft mit Straßburg wurde bereits 1990 begründet und zählt zu den aktivsten Städtepartnerschaften Dresdens.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe (3)

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