Dresdens Ehrenamt-Helden: Baseball-Macher Erik Wegener hat es "total gepackt"

Dresden - Sie bewegen Dresden - jeden Tag, mit Herz, Einsatz und Leidenschaft. Das sportliche Vereinsleben der Stadt wäre ohne Ehrenamtliche undenkbar. Es sind Menschen, die anpacken, organisieren und andere begeistern - alles ohne ein Gehalt. TAG24 und der Stadtsportbund Dresden bringen sie in die Öffentlichkeit, die heimlichen Heldinnen und Helden des Vereinssportes. Auch Lust, mitzumachen? Lasst Euch inspirieren und meldet Euch beim Stadtsportbund!

Die Baseball-Leidenschaft ist Erik Wegener (37) anzusehen.  © Norbert Neumann

Erik Wegener (37) ist kein Mann der großen Worte, aber einer der großen Wege. Vom Handball- und Footballspieler aus Frankfurt/Oder wurde er zum Baseball-Macher in Sachsen. Heute ist er Vorsitzender der Dresden Dukes - und kämpft nicht nur um Runs und Siege, sondern auch um Sportplätze und Anerkennung.

Schon sein Weg zum Baseball war alles andere als typisch deutsch. "Ich bin eher über Umwege zum Baseball gekommen", sagt Erik und lacht. "Ich kam vom Football und dachte mir: Ah cool, da gibt's ja noch einen anderen amerikanischen Sport."

Was ihn faszinierte, war das Vertraute: "Im Grunde ist es ein bisschen wie Brennball aus dem Schulsport - nur eben größer."

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Anfang der 2000er packte ihn das Baseball-Fieber richtig. Er verfolgte die Sportart intensiver, flog zu einem Spiel nach San Francisco.

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Während des Trainings hallen deutsche, englische und spanische Kommandos übers Feld.  © Norbert Neumann

Ehrenamt ist Marathon abseits des Spielfelds

Der Vereinschef spielt auch selbst noch aktiv.  © Norbert Neumann

"Das hat mich total gepackt", erinnert er sich. 2014 begann er in Dresden mit dem Training, spielte auch aktiv. Der sportliche Ehrgeiz wich bald dem Blick fürs Ganze. 2017 baute er die zweite Mannschaft neu auf.

"Unser Ziel war klar: Anfängern eine echte Chance geben." Zwei Jahre später wurde er Trainer der ersten Mannschaft, 2020 Vorsitzender des Vereins.

Seitdem ist sein Ehrenamt ein Marathon abseits des Spielfelds. "Ich repräsentiere den Verein nach außen und nach innen, treffe andere Vereine, mache Netzwerkarbeit".

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Doch wie überall fehlt es an Ehrenamtlichen. "Deshalb übernimmt man automatisch mehr, als man eigentlich sollte."

Im Winter wird in der Halle trainiert.  © Norbert Neumann

Ehrenamt: Ein Spagat, der nur mit Rückhalt funktioniert

Traditionell gab es einen Gutschein und einen Blumenstrauß von "Blumen und Florales".  © Norbert Neumann

Besonders stolz ist Erik auf die Integrationsarbeit. Über 15 Nationen sind im Verein vertreten, drei Sprachen werden täglich gesprochen. "Baseball verbindet", sagt er schlicht. Zeit kostet das alles natürlich auch: "Fünf Stunden pro Woche sind das Minimum. In heißen Phasen wie Januar oder Februar sind es auch mal zehn."

Beruflich ist Erik Chemiker – ein Spagat, der nur mit Rückhalt funktioniert. "Ohne die Unterstützung und Akzeptanz meiner Frau würde das nicht gehen."

Sportlich haben die Dukes große Ambitionen. Der Aufstieg in die 2. Liga ist greifbar - doch es fehlt der Platz. "Wir haben vor elf Jahren die Erlaubnis verloren, ligamäßig auf einem eigenen Platz zu spielen", erzählt Erik.

"Seitdem versuchen wir gemeinsam mit der Stadt Lösungen zu finden. Das ist leider sehr schwierig." Die Sportflächen seien zu wenig und oft in schlechtem Zustand. Aktuell spielt der Verein im Ostra-Gehege - nicht ideal. "Eigentlich bräuchten wir einen festen Platz."

Sein Wunsch fürs Ehrenamt ist klar formuliert: "Die Unterstützung im Sport selbst ist super, etwa vom Stadtsportbund. Was fehlt, ist politische Unterstützung."

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Sportlern fehlt der eigene Platz

An diesem Logo erkennt man die Dresden Dukes.  © PR

Seit 1999 stehen die Dresden Dukes für Baseball- und Softballkultur in Elbflorenz. Der Verein zählt 128 Mitglieder, darunter 30 Kinder und Jugendliche.

Gespielt wird mit zwei Baseball- und zwei Softballmannschaften in der Verbandsliga in Sachsen und Berlin, dazu kommt ein neues Kickingball-Team, eine sportliche Mischung aus Fußball, Kickball und Baseball.

Trainiert wird am Narzissenweg in Niedersedlitz, Baseballspiele finden im Sportpark Ostra statt - einen eigenen Baseballplatz hat Dresden bis heute nicht.

Trotzdem wachsen die Dukes stetig und ziehen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern zu sich.

390 Vereine organisiert

Der Stadtsportbund Dresden ist unter diesem Logo bekannt.  © Stadtsportbund Dresden e.V.

Unter dem Dach des Stadtsportbundes Dresden (SSBD) sind rund 390 Vereine mit über 127.000 Mitgliedern vereint.

Doch ohne Ehrenamtliche läuft nichts. Um dieses Engagement zu stärken, können Vereine ihre Helfer mit der Ehrenamtspauschale von 840 Euro im Jahr steuerfrei honorieren.

Trotzdem fehlt vielerorts der Nachwuchs: Immer weniger Menschen übernehmen freiwillig Verantwortung im Sport.

Um das Engagement zu würdigen, hat TAG24 zusammen mit dem SSBD diese Serie entwickelt.

Auf der Website finden Interessierte über eine Ehrenamtsbörse passende Aufgaben in Dresdner Sportvereinen: ssb-dresden.de.

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