Finanznot als Ansporn: So startet die Staatsoperette in die neue Saison
Dresden - Ist bei Theatern von Finanzen die Rede, geht es meist um Kürzungen. Davon nimmt auch die Vorausschau auf die neue Saison der Staatsoperette ihren Ausgang. Die Aussagen der Hauptverantwortlichen sind im Ton defensiver als sonst.
"Mit dem Programm der Spielzeit 2026/27 gelingt es der Staatsoperette Dresden, sich weiterhin als vielfältiges Musiktheater mit zeitgenössischem Anspruch zu profilieren und Unterhaltung mit künstlerischer Perfektion zu vereinbaren", schreibt Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (49, Linke), wobei sie, da die Saison erst noch gespielt werden muss, eher eine Hoffnung als eine Tatsache ausdrückt.
Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage und damit verbundenen Konsolidierungen im städtischen Kulturhaushalt habe dieser Spagat ihre Anerkennung, so Klepsch.
Auch Intendantin Kathrin Kondaurow baut vor: "Die neue Saison entsteht unter anspruchsvollen finanziellen Rahmenbedingungen, die auch uns betreffen. Wir sehen dies zugleich als Ansporn, unsere künstlerische Vielfalt und Innovationskraft weiter zu entfalten."
In der zurückliegenden Spielzeit verzeichnete das Theater eine Auslastung von 80 Prozent. Spitzenreiter in der Publikumsgunst waren "Alice im Wunderland" (99,7 Prozent), "My Fair Lady" (98,7 Prozent) und "Evita" (98,5 Prozent).
Staatsoperette Dresden: Fünf Premieren stehen an
Angesichts der städtischen Finanzlage spricht das aktuelle Spielzeit-Motto der Staatsoperette "Reise in die Unterwelt" möglicherweise eine hintergründige Befürchtung aus. Vordergründig verspricht die neue Saison eine Reise durch Mythen, Märchen und Geschichten über Außenseiter und Grenzgänger.
Fünf Premieren stehen auf dem Programm. Es beginnt am 20. September mit "Ich, Eurydike" - Gabriel Pitoni erzählt den Orpheus-Mythos aus der Perspektive der Frau, die sonst meist nur als Orpheus' verlorene Geliebte vorkommt. Ballett, Chor und Musical treffen dabei aufeinander. Die Musik stammt von Chefdirigent Michael Ellis Ingram, der erstmals auch als Komponist am Haus zu erleben ist.
Im November folgt mit Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" ein Klassiker. Intendantin Kathrin Kondaurow führt Regie und rückt die Hexe ins Zentrum.
Im Februar wird es mit Cole Porters "Anything Goes" deutlich beschwingter: Swing, Stepptanz, Slapstick und Broadway-Flair. Jacques Offenbachs "Pariser Leben" kehrt im Mai zurück - Regisseur Peter Lund will die Operette mit einer neuen Spielfassung ins Heute bringen. Zum Saisonfinale folgt im Juli 2027 "Emil und die Detektive" nach Erich Kästner.
Das Familienmusical bringt Kinder und Erwachsene gemeinsam auf die Bühne und bietet dem Kinderchor der Staatsoperette eine große Rolle.
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Stadt plant Strukturwandel für 2027
Weiteres geht los: Das Neujahrskonzert "Poesie der Gegensätze" bringt die Pantomimen Bodecker & Neander mit dem Orchester zusammen. In Hellerau läuft Hitchcocks "Psycho" mit Live-Musik.
Bei Carl Orffs "Carmina Burana" stehen erstmals Chor, Kinderchor und Bürgerchor der Staatsoperette gemeinsam mit Studierenden der Dresdner Musikhochschule auf der Bühne.
Dazu kommen Kammerkonzerte, ein Bruno-Balz-Liederabend, "Late Night Mitte", Karaoke im Kranfoyer und Mitsing-Kino. Neun Repertoireproduktionen bleiben im Programm. Der Spielbetrieb beginnt am 28. August mit der großen Saisonvorschau "showtime!".
Im Zusammenhang mit der angespannten Finanzlage steht nicht nur dem Operettentheater in der neuen Saison eine neue Struktur bevor.
Die Stadt will zum 1. Januar 2027 Staatsoperette, Theater Junge Generation und Hellerau zum Eigenbetrieb "Städtische Bühnen Dresden" zusammenfassen. Ihre künstlerische Eigenständigkeit sollen die Häuser behalten. Gemeinsam erledigt werden sollen künftig Verwaltung, Finanzmanagement, Theaterwerkstätten und weitere Infrastrukturaufgaben.
Titelfoto: Pawel Sosnowski
