Gebäudekomplex mit wechselvoller Geschichte: Das "Zentralwerk" hat seinen alten Ballsaal wieder

Dresden - Vor dem Ersten Weltkrieg gab es mehr als 155 Ballsäle in Dresden. Den Zweiten Weltkrieg und die DDR überlebten immerhin noch rund 70 Tanzböden und Kultursäle.

Die Industriearchitektur prägt bis heute den Saal im Zentralwerk.
Die Industriearchitektur prägt bis heute den Saal im Zentralwerk.  © Amac Garbe

Doch die Zeiten und der Bedarf ändern sich. Ungenutzte große Säle werden in Wohnungen aufgeteilt. Umso schöner, wenn ein Kultursaal erhalten bleibt! Am gestrigen Sonntag wurde in Pieschen der sanierte Saal der Kultur- und Wohngenossenschaft "Zentralwerk" (Riesaer Straße) eingeweiht.

Der 1942 eingeweihte, 500 Quadratmeter große Saal (900 Plätze) befindet sich in einem Gebäudekomplex mit wechselvoller Geschichte. Bis 1932 wurden hier Nähmaschinen und Großschreibmaschinen produziert.

Ab 1939 stellten u. a. jüdische Zwangsarbeiter Zünder für Hitlers Kriegsmaschinerie her. Nach 1945 zog die Druckerei Völkerfreundschaft ein - von der Kinderzeitung "Frösi" bis zu SED-Drucksachen reichte das Portfolio.

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Der Saal war eine der wenigen Kulturstätten im zerstörten Dresden. Hier fanden Jugendweihen wie Kongresse statt - am 7. Juli 1956 auch das erste öffentliche Jazzkonzert in der DDR mit Pianist Günter Hörig. Nach der Wende zog ein Billig-Basar ein.

Mit dem Ausbau des Areals ab 2013 durch die Kultur- und Wohngenossenschaft bekam auch der große Ballsaal wieder eine Perspektive - er wurde zum Herzstück des Zentralwerks. "Es ist ein Saal, der danach ruft, entdeckt zu werden", so OB Dirk Hilbert (49, FDP) zur Eröffnung.

Eröffneten den Ballsaal im Zentralwerk (v.l.n.r.): Vorstand Christian Ecklebe (44), Hellerau-Intendantin Carena Schlewitt (60), Vorstand Bettina Lehmann, Staatsministerin Barbara Klepsch (55, CDU) und OB Dirk Hilbert (49, FDP).
Eröffneten den Ballsaal im Zentralwerk (v.l.n.r.): Vorstand Christian Ecklebe (44), Hellerau-Intendantin Carena Schlewitt (60), Vorstand Bettina Lehmann, Staatsministerin Barbara Klepsch (55, CDU) und OB Dirk Hilbert (49, FDP).  © Amac Garbe
Vorm Hintereingang feierten am Sonntag viele Gäste die Einweihung.
Vorm Hintereingang feierten am Sonntag viele Gäste die Einweihung.  © Amac Garbe

Von der Stadt gibt es 22.000 Euro Kulturförderung pro Jahr

Den Worten folgen jährlich von der Stadt 22.000 Euro Kulturförderung. Auch dadurch ist der Saal wieder Bühne für Konzerte, Lesungen, Opern, Ausstellungen, Theaterstücke, Performances & Co. Er ist bespielbar, aber nicht fertig.

Um den Saal zu sanieren, wurde er in 2500 Teile "zerlegt", die für je 99 Euro von Paten erworben werden können (Infos unter zentralwerk.de).

Bereits eingebaut ist eine über Crowdfunding finanzierte Lüftungsanlage für rund 40.000 Euro. "Als Nächstes stehen Dachdecker-Arbeiten an. Und dann wollen wir noch den kleinen Saal herrichten", so Zentralwerk-Vorstand Christian Ecklebe (44). Im Zentralwerk leben und arbeiten derzeit rund 200 Kulturschaffende und Kreative.

Titelfoto: Amac Garbe

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