Weniger Besucher, weniger Geld: Wie die Staatlichen Kunstsammlungen dem Rückgang trotzen wollen

Dresden - Wer etwas durchsetzen will, muss eindringliche Worte finden. Dann nennt man die zukünftigen Vorhaben nicht mehr Planung, sondern Agenda. Meist geht es darum, einem Mangel zu begegnen. So haben sich die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) eine "Zukunftsagenda" verordnet. Der zugrunde liegende Mangel ist hinlänglich bekannt: Der Freistaat ist in Finanznot.

Die Pressekonferenz der SKD fand am Donnerstag in der Kapelle des Residenzschlosses statt.
Die Pressekonferenz der SKD fand am Donnerstag in der Kapelle des Residenzschlosses statt.  © Eric Münch

Bernd Ebert (53), Generaldirektor der SKD, spricht von "finanziellen Herausforderungen." Das erste Jahr seiner Amtszeit sei geprägt gewesen von massiven Kostensenkungen sowie Einnahmesteigerungen. Die diesbezüglichen haushalterischen Mittel sind ausschnittweise benannt mit Stellenstreichungen (30 seit 2023) und Verknappung der Öffnungszeiten in den Museen auf der Kostenseite, Preiserhöhungen auf der Einnahmeseite.

Preiserhöhungen stehen 2026 abermals an.

Die Bilanz des Jahres 2025 verzeichnet ca. 1,9 Millionen Besucher der SKD, etwa 460.000 weniger als im Vorjahr; 40 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland, 60 Prozent aus dem Inland, davon 24 Prozent aus Sachsen. Den Rückgang erklärt die Kaufmännische Direktorin der SKD, Cornelia Rabeneck, wesentlich mit dem allgemeinen Schwund beim Tourismus, den beschränkten Öffnungszeiten und dem Abnehmen von Drittmitteln.

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Auch im Jahresumsatz zeichnet sich das ab, der mit 12,6 Millionen Euro hinter 2024 zurückbleibt.

Wie hoch der Gesamtetat des laufenden Jahres ausfalle, ließe sich nicht mit Bestimmtheit sagen, so Rabeneck. Es sei beim Freistaat noch viel in Bewegung.

Vier Prozent Steigerung wollen die SKD dieses Jahr erzielen. Erreicht werden soll das mit einer "Dynamisierung der Öffnungszeiten" und besagten Preiserhöhungen. Demnach kostet etwa das Tagesticket für alle Museen der SKD künftig 28 statt 26 Euro, die Zweitageskarte 32 statt bisher 29 Euro, wird die Jahreskarte von 75 auf 95 Euro gehievt. Für Schüler unter 20 Jahren wird ab April ein Preis von zwei Euro mit Zutrittsmöglichkeit zu allen SKD-Museen erhoben.

SKD: 2026 stehen 18 Ausstellungen an

SKD-Generaldirektor Bernd Ebert beim Vortrag.
SKD-Generaldirektor Bernd Ebert beim Vortrag.  © Eric Münch

Werden die staatlichen Finanzierungsmittel geschrumpft, fällt Drittmitteln wie jenen aus Sponsoring und Fördervereinen umso mehr Gewicht zu. Hauptsponsoren der SKD sind seit Langem die Sparkassenverbände in Stadt und Land sowie der Uhrenbauer Lange & Söhne in Glashütte, mit denen der Vertrag um drei bzw. fünf Jahre verlängert wird.

Dass Sponsoring die staatliche Finanzierung nicht ersetzen kann, macht Heike Kramer, Direktorin des Gesellschaftlichen Engagements und Leiterin des Sparkassen-Kulturfonds im Deutschen Sparkassen- und Giroverband, deutlich: "Wir können vieles machen, aber wir können es nicht auffangen."

Den "Wandel aktiv gestalten" will Generaldirektor Ebert, etwa mit Tourismuswerbung in Indien und China. Keine Abstriche machen will er bei der Kunst.

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18 Ausstellungen stehen 2026 an, darunter eine über den Barockmaler Correggio (Ebert: "Fünf Werke von ihm gibt es in Deutschland, vier davon haben wir.", ab 19.9., Gemäldegalerie), eine mit "Zeichnungen von Joseph Beuys" (ab 23.10., Kupferstich-Kabinett) oder eine über Krypto-Währung ("Krypto, was?", ab 3.10., Münzkabinett).

Aktueller Publikumsrenner ist die große Schau "Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens" im Albertinum (bis 31. Mai). Die laufe, sagt der Generaldirektor, "wie geschnitten Brot".

Titelfoto: Bildmontage: Eric Münch (2)

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