Kraftwerk Mitte: Hier schlägt Dresdens kreatives Herz

Dresden - In Dresden bezieht die Kultur ein eigenes Quartier: das Areal vom ehemaligen Kraftwerk Mitte. Die Sanierung und Modernisierung der denkmalgeschützten Bausubstanz läuft auf Hochtouren. Erfahrt hier, was alles entsteht - wer da einziehen wird bzw. wer schon dort arbeitet.

Kümmert sich ums Kraftwerk Mitte: Frank Neuber (58) ist Bereichsleiter Liegenschaften und Prokurist der SachsenEnergie.
Kümmert sich ums Kraftwerk Mitte: Frank Neuber (58) ist Bereichsleiter Liegenschaften und Prokurist der SachsenEnergie.  © Steffen Füssel

"Das historische Areal des Kraftwerks Mitte ist das Kronjuwel in unserem Portfolio. Nur 700 Meter vom Zwinger entfernt entsteht hier auf 40.000 Quadratmetern Fläche ein kompletter Stadtteil für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft", sagt Frank Neuber (58) von SachsenEnergie.

Der Prokurist des Stromriesen und Leiter Liegenschaften mag seine Begeisterung nicht verbergen: "Dass so ein Viertel neu entsteht, ist einmalig in Europa. Nicht mehr lange, dann kommen täglich 1500 bis 2000 Menschen hierher, um Kunst, Kultur und Entertainment zu genießen." Schon Ende 2024 sollen alle Bestandsobjekte am Standort saniert und vermietet sein.

Aktuell wird auf der Mega-Baustelle "Halbzeit" gefeiert.

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Presslufthämmer bestimmen den Takt. Hinter Bauplanen herrscht emsiges Treiben. Bereits jetzt zieht das imposante Industriedenkmal aus den 19. Jahrhundert, das 1997 stillgelegt wurde, Feingeister, Feinschmecker und Filmfreunde an.

Sie sehnen das Ende der Pandemie herbei, um wieder Vorstellungen der Staatsoperette, des tjg. theater junge generation (Dezember 2016 eröffnet) oder im Zentralkino (Eröffnung September 2020) sowie Konzerte und Restaurants besuchen zu können.

Dresdens Neue Mitte (Eigenwerbung für das Kraftwerk Mitte) profitiert vom Gestaltungswillen der Stadt (investierte über 100 Mio. Euro), Fördermitteln von Land und Bund (um 15 Millionen Euro) sowie der Power und Potenz der SachsenEnergie (Gesamtinvestition 60 Mio. Euro). Frank Neuber: "Wir beschäftigen ein eigenes Team von Ingenieuren und Architekten, das alle Bauvorhaben am Standort projektiert, entwickelt und betreut."

Ein Drohnenfoto des Kraftwerks Mitte zeigt eine Luftaufnahme des Geländes.
Ein Drohnenfoto des Kraftwerks Mitte zeigt eine Luftaufnahme des Geländes.  © Steffen Füssel

REAKTANZ

  • Erbaut 1925/26, beherbergte einst induktive Blindwiderstände
  • Neue Nutzung: Im Januar 2021 bezogen das Medienkulturzentrum Dresden, die Vereine "Objektiv", "DIAF" und Trickfilmstudio Fantasia das Haus. Das Gebäude liegt direkt am Haupteingang und bietet auf drei Etagen 711 qm Nutzfläche.

INTENDANZ

  • Erbaut als Wohnhaus für die Angestellten des ehemaligen Heizkraftwerkes
  • Neue Nutzung: seit Dezember 2016 Sitz der Verwaltung der Theater sowie der Intendanzen

ZWISCHENBAU HEIZZENTRALE

  • Erbaut 1959/63 zusammen mit der Heizzentrale II; später Bürogebäude
  • Neue Nutzung: Coworking-Space der Firma neonworx für Kreative, Bistro "Neue Sachlichkeit", Pilates- und Yogastudio Cardea


Alte Villa.
Alte Villa.  © Steffen Füssel

EHEMALIGE HEIZZENTRALE

  • War früher die Heizzentrale bzw. Wärmeübertragungsstation (Röhrenwärmetauscher) fürs Heizkraftwerk Mitte
  • Neue Nutzung: Kunsthalle, Veranstaltungsraum, Coworking-Space

PFÖRTNERHÄUSCHEN

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  • Neue Nutzung: Café & Bistro T1 (seit Mai 2016)

ALTE VILLA

  • Ältestes Gebäude auf dem Areal (Stil Neorenaissance), diente als Wohn- und Geschäftshaus
  • Neue Nutzung: Interkulturelles Begegnungszentrum "Kolibri" (Fertigstellung 2023 anvisiert). Es entstehen Räume für Sprachkurse, Tanzsäle und Probenräume für Musiker. Angedacht ist, der Villa eine moderne Etage ganz aus Glas "oben drauf" zu setzen.
Ehemalige Schaltanlage.
Ehemalige Schaltanlage.  © Steffen Füssel

TRAFOHALLE

  • Beherbergte einst große Transformatoren
  • Neue Nutzung: seit September 2016 Sitz der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Initiative "Weiterdenken" organisiert dort politische Bildung für Erwachsene in Sachsen.

EHEMALIGE SCHALTANLAGE 10/20-KV | Spitzname "Alcatraz"

  • Fertiggestellt 1929. Im Gebäude befanden sich rund 50 Schaltzellen. Die ankommenden 10- und 20-kV-Kabel wurden dort geschaltet.
  • Neue Nutzung: Informationstechnologie-Zentrum und Innovationslabor für Start-up-Unternehmen (Fertigstellung 2023/24 anvisiert).

EHEMALIGES BAHNWERK

  • Erbaut in den 1920er-Jahren im Zuge des Umbaus des Kraftwerks zum Heizkraftwerk (Stil Klassische Moderne).
  • Neue Nutzung: seit Dezember 2010 Heimat des Musik-Clubs Kraftwerk Mitte. Nightlife-Location, Kongress- und Tagungsstätte. Perspektivisch wird damit geliebäugelt, dort ein Boulevardtheater zu etablieren.
Auch die Hochschule für Musik und das Heinrich-Schütz-Konservatorium nutzen das Kraftwerk Mitte.
Auch die Hochschule für Musik und das Heinrich-Schütz-Konservatorium nutzen das Kraftwerk Mitte.  © Steffen Füssel

EHEMALIGER KOHLESCHUPPEN

  • Neue Nutzung: seit Mai 2006 Energiemuseum.

EHEMALIGES LICHTWERK

  • Zum Gebäudekomplex gehörten vier Schaltwerke, der Abspannturm und die historische Schaltwarte.
  • Neue Nutzung: Seit 2014/16 bewirtschaften die Hochschule für Musik und das Heinrich-Schütz-Konservatorium (HSK) den Bau.
  • Im Entstehen sind ein Saal für Orchesterproben, Unterrichtsräume für Musiker, Sänger, Tänzer.
  • Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden werden mit ihrer Puppentheatersammlung (weltweit eine der größten ihrer Art) ab 2022 dort ein neues Domizil bekommen. Außerdem soll die Dresdner Uni-Brauerei ("Lohrmanns Brew"), sowie ein Restaurant und eine Destillerie Einzug halten.


Ehemaliges Sozialgebäude.
Ehemaliges Sozialgebäude.  © Steffen Füssel

EHEMALIGES SOZIALGEBÄUDE

  • Erbaut 1895, war Schalt- und Transformatorenhaus und später „Wohlfahrtsgebäude“.
  • Neue Nutzung: Die "Kulturwirtschaft" bewirtet im EG Gäste. Im OG erwartet das Zentralkino Filmfans.

EHEMALIGE MASCHINENHALLE

  • 1900 Inbetriebnahme als Halle für Dampf-Dynamomaschinen zur Gleichstrom-Erzeugung.
  • Neue Nutzung: seit Dezember 2016 Spielstätten für die Staatsoperette Dresden und das tjg. theater junge generation (vier Säle, Platz für bis zu 1300 Besucher)

Titelfoto: Steffen Füssel

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