Leben im Lockdown: Wie Puppenspielerin Bianka Heuser ihre schlechte Laune bekämpft

Von Lilli Vostry

Dresden – Die "Salzprinzessin" hatte nur wenige Auftritte in diesem Jahr.
Bianka Heuser (47) mit ihrer "Salzprinzessin".
Bianka Heuser (47) mit ihrer "Salzprinzessin".  © Steffen Füssel

Nach dem Lockdown im Frühjahr packte Bianka Heuser ihre Puppen zum Kindertag im Juni wieder aus.

Das letzte Mal spielte sie am 30. Oktober in Grimma. Nun sind die Figuren im Koffer verschwunden und müssen warten bis es weitergeht.

König Kohledampf, seine Tochter Rosalie und Prinz Fabién, der Sohn des Salzkönigs, der sich in sie verliebt - das Figurentheater nach einem slowakischen Volksmärchen und Motiven der Brüder Grimm passt so gut in diese Zeit.

"Das Märchen erzählt davon, dass man anstatt zu streiten nach Lösungen und gegenseitigem Verständnis suchen sollte", sagt die Schau- und Puppenspielerin.

Und es gehe darum, wie schnell wir in unserem komfortablen Alltag scheinbar kleine Dinge und deren Werte vergessen.

Bis 2007 war sie an den Landesbühnen

Bei ihren Aufführungen macht Bianka Heuser meist auch Kasse und Einlass.
Bei ihren Aufführungen macht Bianka Heuser meist auch Kasse und Einlass.  © Amac Garbe

Bianka Heuser hat Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg studiert und war von 2000 bis 2007 an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul engagiert.

Im selben Jahr gründete sie die Theatermanufaktur Dresden und ist seitdem freischaffend mit ihrer mobilen Bühne mit Stücken für Kinder und Erwachsene in und außerhalb Sachsens unterwegs. Die erneute Schließung von Spielstätten wie auch das Veranstaltungsverbot in Kitas und Grundschulen treffen sie hart.

"Die Wintermonate und speziell die Weihnachtszeit sind sonst die vollsten Monate im Jahr für mich", sagt sie. 35 Vorstellungen sind im November ausgefallen, im Dezember würden es noch mehr werden.

"Sicher nervt es, wenn mittlerweile Absagen bis in den Februar hinein kommen. Wenn man sieht wie leer der Kalender jetzt ist, gerät man schon ins Grübeln", erzählt sie. Es gebe Momente, da werde sie traurig und wütend.

"Dann muss ich rausgehen. Holzhacken, spazieren gehen oder einfach nur einen guten Film schauen. Wenn ich den ganzen Tag jammere und mich aufrege, was man alles nicht mehr darf, wird die Situation auch nicht besser."

Bianka Heuser versteht die Einschränkungen, die wegen der Pandemie derzeit nötig sind und hofft, dass die Infektionszahlen bald runtergehen werden. Sie kennt Menschen aus ihrem Umfeld, die an Covid-19 erkrankt sind, die zu Hause kämpfen und denen jeder Schritt schwerfällt. Und die sind nicht im Risikoalter.

Das neue Stück ist nicht finanzierbar

Bianka Heuser will sich die gute Laune nicht nehmen lassen.
Bianka Heuser will sich die gute Laune nicht nehmen lassen.  © Steffen Füssel

Sie hofft, dass das angekündigte Hilfsprogramm für Soloselbstständige greifen wird, um die Einnahmeverluste auszugleichen. Für drei ausgefallene Vorstellungen können Veranstalter oft nur eine neue anbieten.

"Im Prinzip fehlt ein ganzes Jahr", sagt sie. 2020 sollte eigentlich das Märchen gern "Die Gänsemagd" herauskommen. "Aber das ist momentan nicht finanzierbar. Es fehlen die Einnahmen, um Bühnenbild und Puppen bauen zu lassen."

Außerdem sollte im November eine Voraufführung für den neuen Kabarettabend "Rendezvous mit Damenschuh" zusammen mit Jörg Bretschneider und dem Musiker Tino Liebe im Dresdner Comedy & Theaterclub stattfinden. Natürlich mit aktuellem Bezug zur Corona-Zeit. "Die Ungewissheit, wie es weitergeht, erschwert das Proben."

Zurzeit sitzt sie viel im Büro, bearbeitet die Absagen, stellt Anträge und organisiert neue Termine für Veranstaltungen. Die künstlerische Arbeit ruht vorerst.

So kommen erst einmal andere Sachen dran wie Kostüme waschen oder Lager aufräumen mit den Stückrequisiten. Sie sagt: "Ich versuche jeden Tag, mit einem Lächeln, auch die schönen Momente zu sehen und etwas zu tun, woran ich mich erfreuen kann."

Nach der letzten Vorstellung der "Salzprinzessin" in Grimma bekam Bianka Heuser von Zuschauern einen Adventskalender, der sie mit jedem Türchen daran erinnern soll, welche Freude sie den Kindern bereitet hat, und eine Kerze, die ihr Licht und Hoffnung schenken soll.

Titelfoto: Steffen Füssel

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