Mein toter Bruder lässt diesen Brunnen sprudeln

Dresden - Der Gönnsdorfer Brunnen im Schönfelder Hochland ist einer der bedeutendsten der Stadt. August der Starke trank und aß an seinem Rand. Doch über die Jahre verfiel die Anlage.

Wunderschön: Der sanierte Gönnsdorfer Brunnen wurde gestern eingeweiht.
Wunderschön: Der sanierte Gönnsdorfer Brunnen wurde gestern eingeweiht.  © Thomas Türpe

Jetzt hat es der Tod eines vermögenden Dresdners möglich gemacht, dass der barocke Brunnen wieder sprudelt.

"Mein Bruder fühlte sich zeitlebens mit den Brunnen der Stadt verbunden. Diesen hier in Gönnsdorf kannte er ganz sicher, lange Zeit wohnte er in der Nähe, er hätte sich gefreut", sagt Manfred Gelpke (80).

Sein Bruder Wolfgang (1931-2014) überließ der Stadt als Alleinerbin große Teile seines Vermögens. Einzige Auflage: Mit dem Geld solle ein Dresdner Brunnen neu gebaut oder saniert werden.

Wolfgang Gelpke schuftete nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst als Hilfsarbeiter in der Mohorner Molkerei, arbeitete sich dann vom Laborhelfer zum Zahntechnikmeister hoch, um später als Fachhochschuldozent zu arbeiten, sein Vermögen war beträchtlich.

330.000 Euro machten es möglich, dass Dresden damit den Brunnen im Gönnsdorfer Park komplett sanieren konnte.

"Der war in einem schlimmen Zustand, die Sandsteine lagen im Park verteilt, wir waren über Jahre hinweg auf der Suche nach einer Finanzierung", sagt Jörg Lange (55), stellvertretender Chef im Amt für Stadtgrün.

Seit einem Jahr wurde unter Federführung der Denkmal-Experten von Fuchs+Girke am Brunnen gebaut. Der wurde dafür komplett abgebaut, ein wasserdichtes Becken kam in den Untergrund, die komplette Brunnentechnik ist neu.

Einige alte Sandsteine wurden wieder mitintegriert. Unter anderem die prachtvolle mittlere Brunnenschale wurde neu gestaltet. Seit gestern sprudelt die Anlage nun frisch saniert.

Ohne seinen Bruder würde dieser Brunnen nicht sprudeln: Manfred Gelpke (80) mit Ehefrau Konstanze (69).
Ohne seinen Bruder würde dieser Brunnen nicht sprudeln: Manfred Gelpke (80) mit Ehefrau Konstanze (69).  © Thomas Türpe
Der inzwischen verstorbene Spender Wolfgang Gelpke (l.) mit seinem Bruder Manfred (80).
Der inzwischen verstorbene Spender Wolfgang Gelpke (l.) mit seinem Bruder Manfred (80).  © Thomas Türpe
Viele Jahre lang war der Gönnsdorfer Brunnen in einem miserablen Zustand.
Viele Jahre lang war der Gönnsdorfer Brunnen in einem miserablen Zustand.  © SLUB /Deutsche Fotothek

Das Wasserspiel hat 300 Jahre Geschichte

1721 erwarb Reichsgräfin Agnes von Manteuffel das Gut Gönnsdorf und ließ eine Gartenanlage im Stil der Zeit errichten. Die Gräfin hatte gute Kontakte an den sächsischen Hof. So soll August der Starke häufig Gast in Gönnsdorf gewesen sein. Sehr wahrscheinlich gestalte Hofbildhauer Francois Coudray den Brunnen. Dessen Werke stehen heute im Louvre und in den Staatlichen Kunstsammlungen.

Über die Jahrhunderte verfiel der barocke Schmuckbrunnen. 2001 wurde mit der fragmentarischen Wiederherstellung begonnen. Das Unterbecken und die seitlichen Treppen wurden gesichert. 2009 konnte der Brunnen provisorisch in Betrieb genommen werden, mehr war bis heute nicht möglich.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe

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