Mit 90 Jahren: Neue Ausstellung von ältester Künstlerin Dresdens

Von Lilli Vostry

Dresden - Pure unverhüllte Schönheit und Sinnlichkeit - in feine Linien gekleidet - fließen in Porträts, weiblichen Akten und Interieurs vorwiegend in warmen Erdtönen zusammen. Zu sehen in der Ausstellung "Figur & Natur" mit Zeichnungen und Druckgrafiken von Christine Wahl in der Galerie Mitte. Besonderheit: Sie ist mit 90 Jahren die wohl älteste aktive Künstlerin in Dresden.

Sie gilt mit 90 Jahren als älteste aktive Künstlerin Dresdens: Christine Wahl zeigt ihre Werke aktuell in der Galerie Mitte.  © Eric Münch

Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus ihrem reichhaltigen Schaffen von 1995 bis 2024: Figürliche Szenen, Stillleben und Reiseimpressionen, in farbenfrohen Aquarell- und Federzeichnungen, darunter Landschaften auf Kreta, Palmenhaine auf Sizilien, Pinien in Kroatien oder der Große Garten in Dresden.

Christine Wahl macht nicht viele Worte um ihre Bilder. Es sei doch alles zu sehen, sagt sie lächelnd. Klein und zierlich, weißer Haarknoten und aufmerksame Augen: Ruhe und Klarheit strahlt sie aus, wie ihre Arbeiten. Die Liebe zur Kunst und zum Leben spricht aus jedem Bild.

Christine Wahl ist eine Meisterin in der "Kunst des Leisesagens". Feinsinnig, leicht und akribisch im Strich und immer mit einem Hauch Geheimnis umgeben – das macht den Reiz ihrer Bilder aus. Sie sind von zeitloser Schönheit und stillem Zauber, das ist wohltuend in der heutigen oft grellen und schnelllebigen Gegenwart.

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Sie wollte immer Künstlerin werden, sagt Christine Wahl. Geboren und aufgewachsen ist sie in Glashütte im Erzgebirge.

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Aufnahmeprüfung 1953: Warum Christine Wahl dank Panzern bestand

Pflanzen- und Reise-Impressionen gehören zu Christine Wahls bevorzugten Motiven.  © Eric Münch

Mit 18 Jahren begann sie 1953 ihr Studium an der Dresdner Kunsthochschule. "Die Aufnahmeprüfung bestand aus einem künstlerischen und politischen Teil, wo es um die Zeit des Stalinismus ging. Damit hatte ich nichts am Hut", erzählt sie.

An dem Tag waren Unruhen. Panzer rollten, erfuhr sie hinterher. "Dieser Prüfungsteil fiel aus. Das war mein Glück, sonst wäre ich mit meiner Ansicht wohl nicht zum Studium zugelassen worden."

Ihre Lehrer waren Hans Theo Richter, der den Zeichnungsstil der Dix-Schule und das formale Ethos der Form aus der Kollwitz-Tradition lehrte, sowie Max Schwimmer, der dessen Strenge durch leichtflüssige Fabulierlust auflockerte. Ihre farbigen Federzeichnungen spiegeln unverkennbar seinen Einfluss.

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Nach dem Studium bekam Christine Wahl einen Werksvertrag in der damaligen Schokoladenfabrik in Dresden, staatliche Auftragskunst habe sie jedoch immer abgelehnt.

Freiheit mit 90 Jahren: "Im Alter vergeht die Zeit schnell"

Die Ausstellung läuft noch bis zum 21. Februar.  © Eric Münch

Seit ihrem Diplom für Grafik ist Christine Wahl freischaffend als Künstlerin in Dresden tätig. Bis ins hohe Alter.

"Plötzlich ist die Jahreszahl da", staunt Christine Wahl selbst über ihre 90 Jahre. "Im Alter vergeht die Zeit schnell." Sie wohnt allein. Ihr Sohn schaut regelmäßig nach ihr.

Sie ordnet ihre vielen Lebensbilder, lässt sich immer noch gern überraschen, zeichnet ab und zu und freut sich über jeden neuen Tag. Am Leben mit der Kunst mag sie, immer ganz frei zu sein: "Da gibt es keine Vorschriften."

Die Ausstellung läuft bis 21. Februar in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49, Dienstag bis Freitag 15 – 19 Uhr, Samstag 10 – 14 Uhr.

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