Schloss Lockwitz in Dresden: Wo König Friedrich II. sterben sollte

Dresden - Das Dresdner Residenzschloss oder die Elbschlösser Albrechtsberg, Lingnerschloss und Schloss Eckberg kennt wohl jeder. Doch wusstet Ihr, dass in und um Dresden weit über hundert weitere Herrscherhäuser stehen, umrankt von zahllosen Geschichten und Legenden? TAG24 hat sich für eine neue Serie auf die Spur dieser weitgehend geheimnisvollen und fast vergessenen Seite von Dresden gemacht. Schlösser, Burgen, Rittergüter - lasst Euch überraschen.

Schloss Lockwitz in alten Tagen (um 1860).
Schloss Lockwitz in alten Tagen (um 1860).  © SLUB / Deutsche Fotothek

Das Lockwitzer Schloss am Südrand von Dresden ist mittelalterlichen Ursprungs und geht auf ein 1349 erstmals erwähntes Rittergut zurück. Es war das Heim reicher Herren, Herberge berühmter Persönlichkeiten und Lazarett. Heute sind Wohnungen in den historischen Gemäuern untergebracht.

Gegenüber den Dorfhäusern rings um das Schloss-Areal wirkt das Anwesen mächtig. Sogar die Reste der einstigen Allee zum Adelssitz sind rudimentär noch vorhanden.

Im Schloss selbst scheint man unter sich bleiben zu wollen: "Unbefugten" ist der Zutritt in die Wohnanlage untersagt. Das teilen Schilder an den Eingängen mit.

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Schloss und Nebengebäude sind zu Wohnungen umgebaut. Der Blick bleibt trotzdem hängen am Adelssitz (1621) und dem daneben stehenden Kirchlein (1623). Dessen Turm verbindet Gotteshaus und Schloss.

Der kurfürstlich-sächsische Hofmarschall Johann Georg von Osterhausen (1577-1627) ließ sich damals das Herrenhaus des Ritterguts umbauen.

Im Schloss sind heute Wohnungen untergebracht.
Im Schloss sind heute Wohnungen untergebracht.  © Holm Helis

Das verbindet König Friedrich II. mit dem Schloss

Hermann Christian Kap-herr (1801-77) gehörte das Schloss ab 1866.
Hermann Christian Kap-herr (1801-77) gehörte das Schloss ab 1866.  © SLUB / Deutsche Fotothek

In dem barocken, heute evangelischen Kirchlein (400 Plätze) sind noch ein Sandstein-Altar, eine Kanzel und eine Taufschale aus Zinn aus dem 17. Jahrhundert zu bewundern. Schloss und Kirchlein genügten sogar königlichen Ansprüchen.

1757 ließ hier kein Geringerer als der preußische König Friedrich II. (1712-86, im Volk frech der "Alte Fritz" genannt) während des Siebenjährigen Krieges ab März sein Hauptquartier einrichten.

Ihm soll dort Schreckliches widerfahren sein: Der Legende nach wurde Friedrich der Große in Lockwitz Opfer eines Giftanschlags durch seinen Kammerdiener Glasow. Dieser sollte – so munkelte man – im Auftrag der sächsischen Herrscher-Gattin Maria Josepha (1699-1757) einen Anschlag auf den König ausüben.

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Dafür versetzte er eine Tasse heiße Schokolade mit Gift. Ein Junge hatte jedoch die Giftmischerei in der Küche zufällig beobachtet und das dem König gemeldet. Das rettete Friedrich dem Großen das Leben.

Glasow ging in Festungshaft nach Spandau, wo er kurz darauf verstarb.

Adelssitz und Kirche sind durch einen Turm verbunden.
Adelssitz und Kirche sind durch einen Turm verbunden.  © Holm Helis

Plünderer machten sich im Mausoleum zu schaffen

Das Kap-herr-Mausoleum befindet sich in der Nähe auf dem Krähenhügel.
Das Kap-herr-Mausoleum befindet sich in der Nähe auf dem Krähenhügel.  © Norbert Neumann

In den Befreiungskriegen 1813 befand sich ein Lazarett für preußische und russische Soldaten in dem Schloss, die im Kampf gegen Napoleon verwundet worden waren.

Nach wechselnden Besitzern gehörte es ab 1866 dem kaiserlich-russischen Staatsrat Hermann Christian Kap-herr (1801-77), der es seinem Sohn Carl Johann (1827-1887) zur Nutzung überließ. In dieser Zeit wurde das Schloss im Renaissancestil umgebaut und erhielt sein heutiges Aussehen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war das Schloss im Besitz der Familie Kap-herr (die entschied sich für die eigentümliche Schreibweise ihres Namens, damit dieser nicht "kaffer" aus gesprochen wurde).

1946 wurden die Besitzer durch die Bodenreform enteignet, die Kap-herrs nach Rügen verbannt. Im Schloss kam die Feuerwehrschule, später die Ausbildungsstätte der Kartografen unter. Seit 2007 ist das Schloss in Privatbesitz.

An die Kap-herrs erinnert noch das Mausoleum (von 1871/72) auf dem etwa zwei Kilometer entfernten Krähenhügel. Die Grabstätte im Stil eines klassizistischen griechischen Tempels erbaute Bernhard Schreiber (1833-94), ein Schüler des berühmten Opernhaus-Erbauers Gottfried Semper (1803-79). Als erster wurde dort Hermann Christian von Kap-herr (1801-77) beigesetzt, das letzte Familienmitglied fand hier 1944 seine letzte Ruhe. Nach dem Krieg wurde das Mausoleum mit seinen 48 Grabkammern geplündert.

In den 1980er Jahren wäre es beinahe gesprengt worden. Die Nachkommen der Kap-herr-Familie kauften das Mausoleum und den Krähenwald 2005 zurück. 2008 wurden die Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen.

Titelfoto: Holm Helis

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