Schubkarre statt Absturz: Wie Dresdens "Chancenlose" der Stadt helfen

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Dresden - Sie sind auf die schiefe Bahn geraten, haben psychische Probleme, stecken im Bürgergeld fest. Doch viele "Chancenlose" geben Dresden etwas zurück - mit Blumenerde, Gießkannen und Müllsäcken bewaffnet.

Die gemeinnützige Arbeit gibt Daniel Lopez (38, l.) und David Vogt (34, r.) Halt. Hier befüllen sie Wassersäcke, um Pflanzen zu gießen.
Die gemeinnützige Arbeit gibt Daniel Lopez (38, l.) und David Vogt (34, r.) Halt. Hier befüllen sie Wassersäcke, um Pflanzen zu gießen.  © Steffen Füssel

Werktags zwischen neun und zwölf Uhr pflanzen sie Blümchen in der Innenstadt, sammeln Müll im Alaunpark, jäten Unkraut auf dem Friedhof. Projektgründer Rainer Pietrusky (76) will damit Struktur in das Leben von Menschen bringen, die sich aufgegeben haben.

Rund 30 Dresdner machen aktuell bei "Chancen für Chancenlose" mit. "Die meisten beziehen Bürgergeld und kämpfen mit Alkohol- oder Drogensucht", sagt Pietrusky. Einige müssen nach Gerichtsbeschluss Sozialstunden ableisten, arbeiten danach als Freiwillige weiter.

So wie Daniel Lopez (38) aus Cotta. Er hatte Haft hinter sich und hunderte Sozialstunden angehäuft, bevor er 2023 zu den "Chancenlosen" kam. "Mir macht die Arbeit Spaß, der geregelte Tagesablauf tut gut", erklärt er.

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Meist ist er in der Innenstadt unterwegs, kümmert sich um die Bepflanzung. Was wäre sonst? "Man würde bis mittags ausschlafen, auf dumme Gedanken kommen."

Rainer Pietrusky (76) koordiniert das Projekt bereits seit 2019.
Rainer Pietrusky (76) koordiniert das Projekt bereits seit 2019.  © Steffen Füssel
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Müllsuche im Alaunpark: "Wenn wir's nicht machen, macht's keiner"

Nicole Weidig (35, l.) und Martina Mosborn (50) beim Müllsammeln im Alaunpark.
Nicole Weidig (35, l.) und Martina Mosborn (50) beim Müllsammeln im Alaunpark.  © Steffen Füssel

Teamkollege David Vogt (34) erzählt von einer langen Alkohol- und Drogenkarriere, Stationen in Knast und Obdachlosenheim. "Wenn das hier nicht wäre, alte Schiene wieder." Stattdessen schleppt er Wasser zu Pflanzkübeln auf der Pfarrgasse, wässert Mandelröschen und freut sich über Lob von Passanten.

Derweil gehen Nicole Weidig (35) und Martina Mosborn (50) im Alaunpark auf Müllsuche. "Wenn wir's nicht machen, macht's keiner." Nicole lebt auf der Straße, muss wegen Schwarzfahren Sozialstunden ableisten. Martina liebt die frische Luft - einen Vollzeitjob sucht sie derzeit nicht. "Ich bin zufrieden, wie es ist."

Projektchef Pietrusky: "Viele würden mit einem normalen Job nicht zurechtkommen, aber leichte Arbeit ohne Druck funktioniert. Besser als rumgammeln." Willkommener Nebeneffekt? Ein sauberes, blühendes Stadtbild. Nur dank der "Chancenlosen" gedeihen Beete am Bahnhof Mitte, die das Grünflächenamt schon aufgegeben hatte. "Wir kümmern uns seit fünf Jahren darum. Das macht stolz."

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Sein größter Wunsch: eine stabile Finanzierung. Etwa 65.000 Euro im Jahr kosten seine Teilzeitstelle, Aufwandsentschädigungen für freiwillige Teilnehmer (zwei Euro pro Stunde) und Material, rechnet Pietrusky vor. Mit Stadtgeldern sei die Summe bislang meist zusammengekommen.

Ohne die "Chancenlosen" wäre dieses Beet längst eingegangen.
Ohne die "Chancenlosen" wäre dieses Beet längst eingegangen.  © Steffen Füssel

Doch dieses Jahr befürchtet der Projektleiter Kürzungen, warnt: "Schlimmstenfalls führen sie dazu, dass weniger mitmachen können - und mehr Menschen richtig abstürzen."

Titelfoto: Steffen Füssel

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