TU-Professor entschlüsselt das Tast-Geheimnis der Zellen

Dresden - Forschende der TU Dresden wollen verstehen, wie sich Leben entwickelt und nehmen darum die Zellen als kleinste lebende Einheiten unter die Lupe.

TU-Professor und Exzellenzcluster-Leiter Otger Campàs (43) geht mit seinen Kollegen Zellen auf den Grund.
TU-Professor und Exzellenzcluster-Leiter Otger Campàs (43) geht mit seinen Kollegen Zellen auf den Grund.  © Katrin Boes

So untersuchte ein Team um Professor Otger Campàs (43) vom TU-Exzellenzcluster "Physics of Life" (PoL), wie Zellen ihre Umgebung mithilfe ihres Tastsinns wahrnehmen.

Während schon viel geforscht wurde, wie sich Zellen in einer Petrischale verhalten, ist zu ihrer Funktionsweise in lebenden Embryos noch nicht viel bekannt. Dabei gehört der Aufbau von Geweben und Organen zu den wichtigsten Aufgaben der Zellen.

Das TU-Team forschte nun mit Zebrafisch-Embryos. "Wir haben zunächst untersucht, wie Zellen ihre Mikroumgebung mechanisch testen, während sie sich differenzieren und die Körperachse eines Wirbeltiers aufbauen", erklärt Campàs, der auch Professurinhaber für Gewebedynamik und PoL-Geschäftsführer ist.

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"Die Zellen benutzen verschiedene Ausstülpungen, um auf ihre Umgebung zu drücken und an ihr zu ziehen."

Die Forscher untersuchen, wie Zellen ihren Tastsinn zur Wahrnehmung ihrer Umgebung einsetzen.
Die Forscher untersuchen, wie Zellen ihren Tastsinn zur Wahrnehmung ihrer Umgebung einsetzen.  © Campas Lab
Im Dienste der Wissenschaft: Zebrafische spendeten (nicht ganz freiwillig) die nötigen Zellproben.
Im Dienste der Wissenschaft: Zebrafische spendeten (nicht ganz freiwillig) die nötigen Zellproben.  © imago images/Ardea

Die Forscher fanden heraus, dass sich dadurch nicht nur die Zellen veränderten, sondern auch die Materialeigenschaften des Gewebes, das sie wahrnahmen. Laut Campàs nahm etwa die Steifigkeit ab.

"Es gibt ein Wechselspiel: Die Strukturen, die Zellen aufbauen, und ihre individuellen Entscheidungen bedingen einander. Dieses Zusammenspiel ist der Kern, wie die Natur Organismen aufbaut", so Campàs.

Die Ergebnisse der Studie können bei der Gewebezüchtung helfen, etwa um robustere Organe und Implantate herzustellen.

Titelfoto: Katrin Boes, Campas Lab

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