Was vom Lockdown hängen bleibt: Corona-Kunst im Stadtarchiv

Dresden - Spannende Ausstellung im Stadtarchiv! "Stimmen aus dem Lockdown" zeigt 700 Motive, die Menschen (darunter viele Dresdner) während der schwierigen Corona-Pandemie 2021 auf Papier gebracht haben.

Letzte Handgriffe: Stadtarchiv-Direktor Thomas Kübler (59) freut sich auf die Eröffnung der Corona-Kunst-Ausstellung am Montag.
Letzte Handgriffe: Stadtarchiv-Direktor Thomas Kübler (59) freut sich auf die Eröffnung der Corona-Kunst-Ausstellung am Montag.  © Ove Landgraf

Im Mittelpunkt der Schau stehen Gefühle: Es gab verzweifelte, aber auch hoffnungsvolle Zusendungen - in denen sich viele Besucher sicher wiederfinden werden.

Als "eine Zeitkapsel unserer Gesellschaft während der Pandemie" lobt Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (46, Linke) das Projekt. Die Idee dafür hatten die drei Künstler Anita Voigt (63) aus Dresden und Petra (62) und Burkhard Schade (63) aus Radeburg. In dieser auch für die Kunst düsteren Zeit, als Kurse und Ausstellungen ausfielen, forderte das Trio Bürger dazu auf, ihre Gefühle festzuhalten.

Texte, Grafiken, Collagen, Fotos und Malereien: Auf Postkartengröße sendeten junge und alte Dresdner (4 bis 84), Sachsen, aber auch Hamburger, Berliner (eine Karte kam aus Norwegen) ihre Empfindungen zurück. "Sie thematisierten auch Ausgangssperre, Home-Schooling, Maskenpflicht, drückten Ängste, Wut und Wünsche aus", sagt Burkhard Schade.

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Diese 700 Werke könnt Ihr ab Dienstag (Vernissage am heutigen Montag, 19 Uhr) im Stadtarchiv anschauen. Die Schau startete in Radeburg, wanderte durch Sachsen und endet jetzt in Dresden. Danach wird der "Schatz" hier archiviert.

Für Archiv-Leiter Thomas Kübler (59) ein "Glücksfall": "Die tiefen Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Bürger während der Corona-Pandemie sind jetzt schon eine eigenständige Quelle zum noch nicht Vergangenen." Elisabeth-Boer-Straße 1 (Albertstadt), Mo.-Fr. ab 9 Uhr, Eintritt frei!

Drei "Stimmen"

Seniorin Monika Rost aus Dresden erstellte diese vielsagende Collage. Sie zeigt eine einsame Frau in einem Gemäuer, die wohl nur über einen Computer Kontakt zur Außenwelt hält.

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels, der ans Tageslicht nach draußen führt, wo Enkel, Reisen, Theater und Co. warten. Den Weg dahin weist eine Spritze ...

Die Collage der Seniorin Monika Rost aus Dresden.
Die Collage der Seniorin Monika Rost aus Dresden.  © Burkhard Schade

"Stimme 2" von Finus (5)

Der kleine Finus (5) malte ein buntes Bild.

Während draußen die Sonne lacht, muss ein Junge im Haus bleiben. Er ist traurig, hat sich wohl mit Coronaviren infiziert, die im Haus herumfliegen ...

Das Werk von Finus (5).
Das Werk von Finus (5).  © Burkhard Schade

"Stimme 3"

Ulli Fiedler aus Radebeul bastelte dieses Werk.

Es zeigt das damals besonders wertvolle Gut: Klopapier!

Ulli Fiedlers Bild.
Ulli Fiedlers Bild.  © Burkhard Schade

Das "weiße Blatt-Gold" war zwischenzeitlich so begehrt, dass es sogar zu Engpässen im Handel kam.

Hätte es Klopapier-Aktien gegeben, wären diese damals wohl in die Höhe geschossen ...

Titelfoto: Ove Landgraf

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