Wegen NS-Vergangenheit: "Erich-Ponto-Preis" wird umbenannt
Dresden - Der Nachwuchspreis des Fördervereins des Staatsschauspiels wird künftig nicht mehr nach Erich Ponto benannt. Die Mitgliederversammlung entschied am Mittwoch, den bislang als "Erich-Ponto-Preis" vergebenen Nachwuchspreis unter einem neuen, noch nicht festgelegten Namen weiterzuführen.
Die Umbenennung ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der historischen Rolle des Schauspielers im Nationalsozialismus, die von einem Bericht der Sächsischen Zeitung ausgelöst worden war.
Archivar Sören Frickenhaus führte die Recherchen zwischen Januar und August 2025 aus, wertete mehr als 20 Archive und Bibliotheken aus, zog Fachinstitute ein und erschloss bislang unveröffentlichte Quellen. Die Ergebnisse wurden im März beim Symposium "Der Fall Erich Ponto" öffentlich diskutiert.
Das Forschungsbild ist vielschichtig: Ponto (1884-1957) war weder Mitglied der NSDAP noch einer ihrer Vorfeldorganisationen, auch eine besondere Nähe zu NS-Funktionsträgern ließ sich nicht nachweisen.
Insgesamt spreche vieles dafür, dass er dem Nationalsozialismus weder innerlich noch formell nahestand, heißt es.
Gleichzeitig ist seine Mitwirkung in Propagandafilmen des NS-Regimes unstrittig, insbesondere seine Rolle im Film "Die Rothschilds", der eindeutig antisemitische Stereotype bedient und Teil nationalsozialistischer Propaganda war.
Förderverein fragt sich: Ist der Name Ponto im Kontext einer Auszeichnung für junge Künstler tragbar?
Warum Ponto sich an solchen Produktionen beteiligte, konnte trotz intensiver Forschung nicht geklärt werden. Fest steht jedoch, dass er 1938 den Titel "Staatsschauspieler" erhielt und 1944 auf die "Gottbegnadetenliste" gesetzt wurde, wodurch er vom Kriegseinsatz verschont blieb.
Nach 1945, ergab die Recherche, habe er sich um Abgrenzung zum Nationalsozialismus bemüht: "Der Querschnitt der sehr verschiedenartigen dafür in Betracht gezogenen Zeugnisse zeigt einen um kritische Distanz bemühten Ponto."
Für den Förderverein habe sich vor diesem Hintergrund die Frage gestellt, ob der Name Ponto im Kontext einer Auszeichnung für junge Künstlerinnen und Künstler weiterhin tragbar sei. Die Entscheidung zur Umbenennung beruhe auf einer Abwägung.
Karin Enke, Stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins: "Besonders maßgeblich war für uns die Perspektive der jungen Schauspieler*innen, deren bisherige künstlerische Leistungen mit dem Preis gewürdigt werden und denen zugleich eine wichtige Unterstützung für ihren weiteren beruflichen Weg gegeben werden soll."
Die Leistung der Nachwuchstalente soll im Mittelpunkt stehen und nicht durch eine fortwährende historische Debatte überlagert werden.
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Nachwuchspreis wird im Herbst vergeben
Während der Nachwuchspreis neu benannt werden wird, soll Erich Ponto im historischen Gedächtnis des Theaters präsent bleiben, eingebettet in eine differenzierte Einordnung seiner Biografie.
"Der Blick auf die NS-Vergangenheit ist Teil unserer Orientierung für die Gegenwart", sagt Intendant Joachim Klement: Im Rahmen der Recherchen sei festgestellt worden, dass Erich Ponto weder Mitglied der NSDAP noch einer ihrer Vorfeldorganisationen gewesen sei.
Auch wenn sich Ponto in der Nachkriegszeit um kritische Distanz bemüht habe, sei eine eindeutige Stellungnahme zur eigenen Verantwortung als Künstler öffentlich ausgeblieben.
Klement: "Allerdings zeigen die Recherchen auch, dass es wertschätzende Zeugnisse von Zeitgenossen über ihn, u. a. von Verfolgten des NS-Staates, gab. Das sind die Gründe, warum das Staatsschauspiel Dresden Erich Ponto die Ehrenmitgliedschaft nicht nachträglich aberkennen wird."
Auch die Büste im Foyer und das Gemälde in der Ehrengalerie sollen - wie schon jetzt mit erklärendem Text - bleiben.
Der Nachwuchspreis wird dieses Jahr im Herbst vergeben. Der neue Preisträger soll nach dem Sommer bekannt gegeben werden.
Titelfoto: ullstein bild

