Zahlreiche Konzerte in Dresden fallen aus! Veranstalter beendet Konzertreihe "Musik zwischen den Welten" abrupt
Dresden - Nach 22 Jahren ist Schluss: Der Dresdner Konzertveranstalter Andreas Grosse (65) beendet seine Konzertreihe "Musik zwischen den Welten", kurz MZDW. Grosse nennt für den drastischen Schritt "vor allem gesundheitliche Gründe". Die Maßnahme wirkt ab sofort. Die für die kommenden Wochen geplanten Konzerte fallen aus. Bereits gekaufte Tickets können an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden.
Dass mit der Gesundheit ist nicht ganz so dramatisch, wie es klingt. "Ich bin nicht sterbenskrank", so Grosse zu TAG24. Es ist eher eine Frage emotionaler Belastung und Erschöpfung. Im Großen und Ganzen war das Unternehmen MZDW ein Ein-Mann-Betrieb, es sei vollständig über die Eintrittsgelder finanziert worden, ohne öffentliche Zuschüsse.
Künstlerhonorare, Reisekosten, Unterbringung, Technik, Mieten und Werbung mussten so erwirtschaftet werden. Dass dies trotz finanzieller Rückschläge über den langen Zeitraum funktioniert habe, bezeichnet Grosse als "das größte Wunder dieser 22 Jahre". Hauptspielstätten waren das Kleine Haus des Staatsschauspiels und die Dreikönigskirche.
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Unterstützung während der Corona-Pandemie. Nach einem persönlichen Spendenaufruf hätten zahlreiche Stammgäste der Reihe Geld gegeben. Das sei für ihn "zwar etwas peinlich, aber überlebenswichtig" gewesen.
Mehr als 1000 Konzerte kommen über den Zeitraum zusammen. Zu Gast waren Künstler und Ensembles aus aller Welt mit einer Mischung aus Folk, Jazz, Rock, Pop und Klassik, mit traditioneller und zeitgenössischer Musik, Komposition und Improvisation, zum Beispiel die Liederpoeten Etta Scollo und Pippo Pollina aus Sizilien oder die Kreml-kritische russische Gruppe Pussy Riot.
Kein Nachfolger in Sicht
Letzteres gibt einen Hinweis auf Grosses Kunstverständnis, das nicht in politischer Unbestimmtheit verharrte, sondern Position bezog, in diesem Fall an der Seite der von Russland angegriffenen Ukraine.
"Als ich 2005 begann, war im wiedervereinigten Land noch überall Aufbruch zu spüren. Ich wollte Teil dieser positiven Veränderung sein und Dresden für die Welt ein Stück weit öffnen", sagt er.
Viel von diesem Geist enthält auch die Abschiedsbotschaft auf seiner Homepage: "Menschen können einander verstehen, können einander vertrauen, können miteinander leben, auch wenn sie unterschiedliche Erfahrungen und Prägungen haben. Verschiedene Kulturen, verschiedene Religionen, verschiedene Hautfarben, verschiedene Geschlechter ... sind kein Grund und kein Anlass zu Hass und persönlichem Gegeneinander."
Mit dem Ende von "Musik zwischen den Welten" verliert Dresden ein Konzertformat von Exklusivität. Kein anderer Veranstalter bediente dieses Profil, niemand ist in Sicht, der übernehmen könnte. Andreas Grosse und seine - nunmehr geschlossene - Konzertreihe sind ein Solitär.
Titelfoto: Eric Münch

