Zeit der wilden Nächte scheint vorbei: Dresdens Clubs sind in der Krise

Dresden - Das Nachtleben im Wandel: Während die Partymeute früher fürchtete, auch nur einen Abend zu verpassen, geht die "Gen Z" auch in Dresden gefühlt kaum mehr aus dem Haus. Es sei denn, der neueste Social-Media-Star kommt nach Dresden. Obendrein schlagen leere Förder-Kassen der hiesigen Clubszene ins Kontor.

Bilder wie dieses aus der Louisenstraße werden zunehmend weniger.  © picture alliance/DUMONT Bildarchiv

"Ich habe meine Jugend sehr viel in Clubs verbracht", sagt die Landtagsabgeordnete Sophie Koch (32, SPD), die nicht nur deshalb zum Diskussionsabend geladen hatte. Auch die Politik spüre den Generationenwechsel im Publikum. Was also braucht es, um die heimische Subkultur zu retten?

Romy Jaehnig (40) schimpft vor allem auf den städtischen Kulturausschuss: "Soziokulturelle Projekte werden als irrelevant abgetan", sagt die Chefin der "Scheune", seit 1951 eine Institution an der Alaunstraße.

Dabei habe Dresden mit Blick auf Agenturen und Künstler ohnehin "ein Imageproblem": Große Bands hierher zu bekommen sei fast unmöglich. Doch genau solche Größen, die Hallen füllen, brauche es, um die Kleinen aus eigener Tasche zu finanzieren, sagt Jaehnig.

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Das Problem kennt das "Objekt klein a" (oka) im Industriegelände nur zu gut, wie Co-Chefin Josie Went (27) sagt. Jüngere Generationen kommen nur, wenn die großen "Headliner" kommen, die sie von TikTok und Co. kennen.

Doch die kosten viel Geld (mind. 6000 Euro pro Show). Was das oka nur hat, wenn vorher viele Leute da waren. Aber die kommen ja nur, wenn ... "Uns geht es finanziell nicht gut", sagt Went, die es "natürlich nicht scheiße" findet, dass Jüngere weniger Alkohol trinken. Aber das veränderte Feierverhalten spüren sie halt in Ticket-, Theken- und Trinkgeld-Kassen.

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Die Landtagsabgeordnete Sophie Koch (32, SPD) denkt bei Clubs an ihre Jugendzeit.  © Holm Helis
Nina Chuba (27) kommt im Juli nach Dresden.  © IMAGO/BOBO

Quartier-Manager fordert Nachtbürgermeister

Die Angst, das Zuhause zu verlassen, endet in leeren Clubs. (Symbolfoto)  © picture alliance/Hans Lucas

Der Trend verfestigt sich: Laut der internationalen Studie "Ist die Party vorbei?" des Marketing-Giganten Havas bleiben sechs von zehn Befragten der "Generation Z" (geboren zwischen 1997 und 2012) am Wochenende vorzugsweise zu Hause, fast 80 Prozent feiern lieber bei sich oder Freunden als im Club oder beim Großkonzert.

Havas sieht eine Verschiebung von der gesellschaftlichen Angst, etwas zu verpassen (Fachjargon: "FOMO"), zu einer Angst, das Haus zu verlassen ("FOGO").

Drei Viertel der 13.000 Befragten in 30 Ländern brauchen demnach keinen Alkohol mehr, fürchten sich vor K.-o.-Tropfen, treffen ungern Unbekannte.

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Peter Thormeyer (35), selbst Dresdner DJ, ist Quartier-Manager der Stadtverwaltung. Er plädiert für einen Nachtbürgermeister.

"Seit 15 Jahren ist das ein Begriff in der Stadt. Wir waren sogar auf dem Weg, einen zu bekommen. Doch der alte Stadtrat gab kein 'Go', der neue hat das Projekt abgesägt", bilanziert der "Neustadt-Kümmerer" resigniert.

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