Zwei "alte Meister" haben sich gefunden: Ein Koch und ein Maurer sind Dresdens neue Canalettos

Dresden - Von wegen, Malerei ist nicht mehr zeitgemäß! Das gegenwärtige Dresden hat nämlich gleich zwei Canalettos, die sich jetzt gefunden haben. Sie malen wie die ganz Großen von früher - ganz ohne Ausbildung ...

Die beiden Freigeister präsentieren ihre Werke am Elbufer. Vor gut 274 Jahren entstand hier der weltbekannte "Canaletto-Blick" Dresdens.
Die beiden Freigeister präsentieren ihre Werke am Elbufer. Vor gut 274 Jahren entstand hier der weltbekannte "Canaletto-Blick" Dresdens.  © Thomas Türpe

Der italienische Maler Bernardo Bellotto, bekannt als Canaletto, malte mit dem Ölgemälde "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" (1748) die wohl bekannteste Ansicht der Stadt-Silhouette.

Im Herbst vergangenen Jahres lernten sich die heutigen Dresdner Canalettos endlich kennen.

"Hochland-Canaletto" Roland Schwenke (68) las über Roberto Preußer (59), den "Canaletto von Striesen", meldete sich direkt und lud ihn ein.

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"Ich konnte es kaum erwarten. Ich suche so jemanden seit zehn Jahren. Man hat in der Zeitung ja oft Maler, aber das sind alles Leute, die viel damit verdienen. Die ticken einfach nicht wie wir", erzählt Schwenke.

Die Verbindung der beiden war sofort klar. "Wir arbeiten beide an einem Canaletto-Bild von zwei Meter Größe, ohne uns zu kennen. Wir hatten gleich große Poster als Vorlage, haben beide Säbel an der Wand hängen", lacht der Hochland-Canaletto.

"Wir haben beide selber Stuck an unsere Decken gemacht - mit einem Kronleuchter. Das ist verrückt!" Auch zum Sinn des Malens haben beide Künstler dieselbe Vorstellung.

Auch kleine Gimmicks dürfen nicht fehlen

Gesucht und gefunden: Roland Schwenke (68, l.) und Roberto Preußer (59) können nun endlich ihre Leidenschaft teilen.
Gesucht und gefunden: Roland Schwenke (68, l.) und Roberto Preußer (59) können nun endlich ihre Leidenschaft teilen.  © Thomas Türpe
Ihre Parallelen wurden auch schnell deutlich: Beide haben einen Säbel an der heimischen Wand hängen.
Ihre Parallelen wurden auch schnell deutlich: Beide haben einen Säbel an der heimischen Wand hängen.  © Thomas Türpe
Im Atelier des "Hochland-Canalettos" hängt auch ein Selbstbildnis - natürlich mit Katze (und Barthaar).
Im Atelier des "Hochland-Canalettos" hängt auch ein Selbstbildnis - natürlich mit Katze (und Barthaar).  © Thomas Türpe
Wenn die beiden Maler einmal in Fahrt kommen, entsteht auch mal schnell ein kleines Chaos am Arbeitsplatz.
Wenn die beiden Maler einmal in Fahrt kommen, entsteht auch mal schnell ein kleines Chaos am Arbeitsplatz.  © Holm Helis
Roland Schwenke hat bereits einige Schlösser mit seinen Bildern ausgestattet. Er gibt den neuen "alten" Bildern einen Platz im Hier und Jetzt.
Roland Schwenke hat bereits einige Schlösser mit seinen Bildern ausgestattet. Er gibt den neuen "alten" Bildern einen Platz im Hier und Jetzt.  © Eric Münch

Dieses skurrile Gimmick kommt auf die Bilder von Roland Schwenke

Der einzige Unterschied: Schwenke hört Musik beim Malen, Preußer schwört auf absolute Stille. Der gelernte Koch und der gelernte Maurer haben nie Malerei studiert. Beide malen hauptsächlich Bilder der alten Meister nach. "Das dauert lange mit den Ölbildern. Sie müssen nach dem Malen ein Jahr stehen. Und durch meine Vollzeitstelle in einer Baufirma brauchte ich für mein Canaletto-Bild fast vier Jahre", sagt Preußer. Im September war es endlich fertig.

Auch kleine Gimmicks dürfen nicht fehlen. "Ich verewige immer ein Barthaar meiner Katze in meinen Bildern, die verliert sie ab und zu", schmunzelt Schwenke.

Sogar ein zukünftiges Projekt steht bereits: Der "Hochland-Canaletto" versucht sich an seinem ersten Rembrandt - ein Porträt seines neuen Maler-Freundes aus Striesen.

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, Holm Helis

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