So hilft mir jetzt mein Zwilling beim Überleben

Dresden - Anja Berthold (43) hat sich schon zweimal ins Leben zurückgekämpft: Gerade, als sie wieder in ihren Job startete und ein normales Leben beginnen konnte, kam Corona. Zweimal hatte die leidenschaftliche Läuferin Leukämie, im Februar 2019 bekam sie eine Stammzellspende. Nun muss sie im Alltag noch vorsichtiger sein als gesunde Menschen.

Ein Herz und eine Seele: Leukämie-Patientin Anja Berthold (43) ist auf die Hilfe ihrer Zwillingsschwester Katja Gertel (hinten) angewiesen.
Ein Herz und eine Seele: Leukämie-Patientin Anja Berthold (43) ist auf die Hilfe ihrer Zwillingsschwester Katja Gertel (hinten) angewiesen.  © Petra Hornig

"Aktuell gehe ich wirklich gar nicht mehr aus dem Haus", erzählt sie. "Ich bin froh über unseren Garten. Aber draußen unterwegs sein oder gar einkaufen, das traue ich mich nicht. Die Angst mich anzustecken, ist zu groß."

Ihr Chef hat sie gleich zu Beginn Pandemie ins Home-Office geschickt, die Familie kauft jetzt für sie ein. 

"Meine Schwester Katja und ihre Familie und ich mit meiner, wir teilen uns ein Haus, sind somit immer zusammen und ich werde gut versorgt." 

Für alle Bewohner gelten strenge Regeln. "Wir desinfizieren uns regelmäßig die Hände, waschen sie noch öfter als ohnehin schon", sagt Katja Gertel (43). 

"Die Kinder haben wir auch noch mal sensibilisiert: 'Denkt dran, wir haben eine Hochrisiko-Person im Haushalt'."

"Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie für mich da ist"

Sie wollen auch zu Hause nicht untätig sein: Anja (l.) und Katja nähen Mundschutz-Masken.
Sie wollen auch zu Hause nicht untätig sein: Anja (l.) und Katja nähen Mundschutz-Masken.  © Petra Hornig

Die beiden Schwestern sind Zwillinge, haben somit eine besondere Verbindung zueinander. "Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie für mich da ist und mein Risiko, mich anzustecken, somit minimiert." 

In der Zeit zu Hause hilft Anja Berthold jetzt anderen. "Die Nähmaschine habe ich wieder rausgekramt und nähe nun für andere einfache Masken."

Anja konnte nur weiterleben, weil sie eine Knochenmarkspende erhalten hat.

 "Wir wollen massiv dafür werben, dass sich jeder online registrieren lassen kann. Die Leukämie wartet Corona nicht ab. Es ist wichtig, dass wir alle jetzt auch an die Leute denken, deren Leben von einer solchen Spende abhängt." 

Deshalb sind Stammzellspenden gerade jetzt nötig

Mediziner Dietger Niederwieser (68) fordert zur Stammzellspende auf.
Mediziner Dietger Niederwieser (68) fordert zur Stammzellspende auf.  © Bertram Kober/ PR

"Leukämie lässt sich nicht aufschieben", sagt der Leipziger Mediziner und Vorstand des VKS Sachsen Dietger Niederwieser (68). 

Für die Betroffenen geht es um Leben oder Tod, da kann eine Stammzelltransplantation nicht zwei oder drei Monate warten. 

Potentielle Spender müssen und dürfen sich von Corona nicht abhalten lassen."Eine Registrierung als Spender ist von Zuhause aus möglich, ein Set kann online bestellt und nach der Probenentnahme zurückgeschickt werden." 

Gerade jetzt sei es wichtig, dass sich weiterhin viele Menschen als Spender in die Kartei aufnehmen lassen. 

Und auch, wer in der jetzigen Zeit für eine Stammzellspende angefragt wird, der müsse keine Sorge haben. "Die Spender werden speziell betreut, selbst auf dem Weg in die Klinik. 

Im Krankenhaus findet die Stammzellspende unter höchsten hygienischen Standards und gesonderten Bereichen statt. Es muss sich als niemand sorgen, sich dort mit Corona anzustecken."

Die Schwestern sind leidenschaftliche Läufer, doch nach der Stammzellspende ist die Ansteckungsgefahr zu groß.
Die Schwestern sind leidenschaftliche Läufer, doch nach der Stammzellspende ist die Ansteckungsgefahr zu groß.  © Petra Hornig

Infos: vks-deutschland.de

Titelfoto: Petra Hornig

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