Ab in die Rente: Dresdens "Mr. Messe" geht mit 68 Jahren in den Unruhestand

Dresden - Als Ulrich Finger (68) 2008 Chef der Messe wurde, sollte er nur drei Monate bleiben. Doch es kam anders. Nun aber macht der Dresdner tatsächlich Schluss, verabschiedet sich in den Ruhestand. Am gestrigen Freitag hielt er seine letzte Messe. Nach der Bestattermesse macht Finger Schluss.

Für dem Geschäftsführer Ulrich Finger (68) ist die letzte Messe gelesen.
Für dem Geschäftsführer Ulrich Finger (68) ist die letzte Messe gelesen.  © Christian Juppe

Zwischen Särgen und Kreuzen in Halle 1 blickt er auf seine 15 Jahre als Chef zurück. Er kam als Übergangslösung, als die Messe tiefrote Zahlen (im Millionenbereich) schrieb, der Standort Ostragehege (vorher: Straßburger Platz) noch unattraktiv war.

"Er galt eben als das alte Schlachthofgelände. Die Gebäude waren teils ruinös", erinnert er sich.

Eigentlich sollte damals das defizitäre Messe-Geschäft verkauft werden. Doch ein Käufer fand sich nicht, auch kein neuer Chef. Also durfte Finger weiter machen.

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"Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Arbeit gefällt. Man konnte eigene Ideen umsetzen", sagt der studierte Diplom-Ingenieur, der zuvor auch einige Jahre für Robotron gearbeitet hatte.

Über die Jahre sanierte er die Hallen, machte aus gammeligen Lagern schicke Säle für Tagungen und Kongresse. "Wir sind vom Messe- zum Veranstaltungszentrum geworden", beschreibt er sein Erfolgsgeheimnis. "Die Auslastung ist extrem gut."

So sahen einst viele brachliegende Gebäude im Ostragehege, dem früheren Schlachthofgelände, aus.
So sahen einst viele brachliegende Gebäude im Ostragehege, dem früheren Schlachthofgelände, aus.  © DMP Dresdner Morgenpost

Ein Mann, viele Messen

Auch die "Börse Dresden" restaurierte Finger vor 13 Jahren.
Auch die "Börse Dresden" restaurierte Finger vor 13 Jahren.  © Steffen Füssel

Auch Konzerte (etwa Eric Clapton, Depeche Mode, Deep Purple, AC/DC) in der Messe und der dazugehörigen Flutrinne spülten Geld in die Kassen.

Finger etablierte mehrere neue Messen wie Neue Art, Room & Style, Ja-Wort, Spielraum, Lesemesse. Seit 2012 dient auch Schloss Albrechtsberg als Veranstaltungsort, sanierte Finger auch dort.

Mit rund einer halben Million Besuchern pro Jahr kommt die Messe als städtisches Tochterunternehmen seit einigen Jahren sogar ohne Zuschüsse aus, was Finger stolz macht.

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Die schwere Corona-Zeit überstand die Messe als Impfzentrum und Flüchtlingsunterkunft.

Schade findet er, dass bis heute keine nahe Elbbrücke gebaut wurde, um das Messegelände etwas aus seiner Insellage zu befreien.

Am 30. Juni gibt er den Job an seinen Nachfolger Markus Kluge (48) "in gute Hände".

Finger (verheiratet, ein Kind) plant mehr Zeit mit seinen Enkeln ein, will Bilder malen und die Kunstmesse besuchen - dann aber als Aussteller ...

Titelfoto: Christian Juppe

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