Dresden - Das Ärztehaus am Albert-Wolf-Platz in Dresden-Prohlis muss einem Azubi-Wohnheim weichen. Für die Praxen bedeutet das: Sie müssen raus aus dem Gebäude. Doch passende Alternativstandorte fehlen auch ein Jahr nach Bekanntgabe der völlig überraschenden Abriss-Pläne noch immer. Eine betroffene Medizinerin zieht daher nun Konsequenzen.
"Ich habe entschieden, meine Praxis nach Pirna zu verlegen, wo ich auch selbst wohne", erklärt Zahnärztin Manuela Koch-Zec (51) im Gespräch mit TAG24. Zwar wäre sie bereit gewesen, weiterhin in Prohlis zu bleiben, jedoch hätten die Rahmenbedingungen keineswegs gepasst.
"Die Stadt hätte auch im Sinne der Patienten dafür sorgen müssen, dass vergleichbare Flächen zur Verfügung gestellt werden. Das war leider nicht der Fall", bedauert die 51‑Jährige. "Auch finanzielle Unterstützung für den teuren Umzug wurde nicht angeboten", zeigt sie sich enttäuscht vom Vorgehen der Verwaltung.
Ihre Patienten würden Visitenkarten mit der neuen Adresse erhalten. "Natürlich bin ich mir bewusst, dass vor allem Ältere nicht nach Pirna fahren werden", so Koch-Zec. Wahrscheinlich noch bis März könne sie den Praxisbetrieb am Albert-Wolf-Platz aufrechterhalten, weil sich der für Januar geplante Abriss verzögere.
Dies bestätigt die Stadt auf TAG24-Anfrage: "Der Baubeginn wurde auf Oktober 2027 verschoben." Grund dafür sei, dass ein Mieter von der vorfristigen Aufhebung seines bis zum 30. September bestehenden Vertrags trotz vorgeschlagener Abstandszahlung keinen Gebrauch gemacht habe. Dies hätte jedoch keine Auswirkungen auf die Bewilligung von Fördermitteln für das Wohnheim-Projekt.
Auch großes Hausarztzentrum vom Abriss betroffen
Bei dem genannten Mieter handelt es sich um das Hausarztzentrum (mit bis zu 4000 Patienten pro Quartal), dem Martin Schoch vorsteht. Auch er betont im TAG24-Gespräch, dass er bis heute keine einzige, umsetzbare Alternative in Ortsnähe von der Stadt erhalten habe.
"Die Angebote lagen von der Größe her weit unter dem, was ich mit meinen vier Vollzeit-Arztplätzen brauche", sagt der Allgemeinmediziner. Er beklagt in diesem Zusammenhang, dass der Ratsbeschluss vom März ignoriert wird. Darin ist OB Dirk Hilbert (54, FDP) beauftragt worden, die "lückenlose hausärztliche Versorgung sicherzustellen".
Genau diesen Punkt sieht auch BSW-Stadtrat Dominik Hecker (52) nicht erfüllt. "Wir wollen das so nicht akzeptieren und prüfen gerade, welche Optionen bestehen", erklärte der Politiker, dem das medizinische Angebot am Standort als Prohliser besonders am Herzen liegt.
Stadtrat Falk Mende (46, FDP/FB), selbst Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, spricht von einem fehlenden städtischen Willen bei der Sicherung der Daseinsfürsorge.
Er besitzt jedoch noch Hoffnung, dass die hausärztliche Versorgung gerettet werden kann. "Dafür muss aber jetzt der OB aktiv werden und das in die Hand nehmen."