Dresden - Sie ist das meist übersetzte Buch der Welt. Die Bibel. Anlässlich des 275. Kirchweihjubiläum der Kathedrale zu Dresden geben 275 Menschen dem berühmten Buch seine ganz eigene Stimme und lesen fünf Tage und vier Nächte in der Hofkirche daraus vor!
"Wir wollen damit zeigen, wie lebendig die Hofkirche bis heute ist", sagt Ulrike Irrgang (48), Chefin der Katholischen Akademie. Dompfarrei, Akademie und Bischöfliches Ordinariat initiierten die Aktion, um das Jubiläum der Kathedrale zu zelebrieren.
Start ist am Donnerstag, 4. Juni nach Messe und Prozession zum katholischen Feiertag Fronleichnam. Auf einem Podest in der Kirche wird ab dem Abend jeweils 15 Minuten aus der Bibel vorgelesen.
Dabei können die Teilnehmer aus ihren Büchern vortragen: So wird neben Deutsch auch Sorbisch, Englisch, Spanisch und Ukrainisch zu hören sein. Vorgetragen wird aus den Bibeln aller Konfessionen. Kurz: Ökumenisch!
Angemeldet haben sich bereits weit über 200 Teilnehmer als Vorleser. Darunter Bäcker, Lehrer, Buchhalterin oder Rettungssanitäter. Ganze Familien ebenso wie eine Schulklasse. Aber auch Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft sitzen nacheinander auf dem Podest und lesen.
So unter anderem Generalstaatsanwalt Martin Uebele, Frauenkirchen-Pfarrerin Angelika Behnke, der Chef der Gemäldegalerie Holger Jacob-Friesen, Ekaterina Kulakova vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden und Ex-Bundesminister Thomas de Maiziere. Sogar der inzwischen 89-jährige Joachim Reinelt, einst langjähriger Bischof des Bistums Dresden-Meißen, kehrt zur Lesung an seine alte Wirkungsstätte zurück!
Dazu gibt es Programme in den Seitenschiffen: Am Freitag bieten acht Seelsorger Möglichkeiten zum Gespräch. Am Sonntagnachmittag sind verschiedene Stationen für Kinder aufgebaut. Samstag und Sonntag erklingt abends zwischen den Lesungen Musik von Orgel, Harfe und Saxofon. Und abends wird die Kirche innen und außen illuminiert sein.
Wer Lust hat, mitzulesen oder als Helfer vor Ort zu sein, kann sich noch immer unter www.bistum-dresden-meissen.de anmelden.
Sohn von August dem Starken ließ Hofkirche errichten
Offiziell heißt sie Kathedrale Ss. Trinitatis. Bei Dresdnern ist und bleibt sie die Hofkirche, die Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen.
Der Sohn von August dem Starken, Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, ließ das barocke Gebäude ab 1739 von Gaetano Chiaveri errichten.
Weil der italienische Baumeister zahlreiche Handwerker aus seiner Heimat mitbrachte, um das Gotteshaus zu errichten, entstand das benachbarte "Italienische Dörfchen". Auf dem Gelände lagerten die fleißigen Erbauer. Die Kirche wurde am 29. Juni 1751 geweiht.
Bis heute beherbergt die Kathedrale mit dem gewaltigen Altar und der berühmten Pieta-Skulpur des Künstlers Friedrich Press, die Wettinergruft. Die Grabstätte der Kurfürsten und Könige von Sachsen. So auch die Herzkapsel von August dem Starken, dessen restlichen sterblichen Überreste in Krakau ruhen.