Dresden - In seinem Leben hat Kevin Ditgen (36) schon viele Tiefen erlebt: Als Kind kassierte er Schläge, wurde drogenabhängig, obdachlos. Er kämpfte sich zurück, fand einen Job, Wohnung, wurde in Dresden Vater. Doch seine Depressionen werfen ihn bis heute immer wieder zurück, er steckt tief in der Schuldenfalle. Nun geht er den für ihn bislang schwierigsten Schritt: Er bittet seine Mitmenschen öffentlich um Hilfe.
Ditgen erlebte schon mit sieben Jahren häusliche Gewalt. "Mein Stiefvater schlug mich, weil ich einnässte", sagt er. Seine Mutter habe ihm nicht helfen können, mit 15 lebte er vorübergehend im Heim.
Das Lernen fiel ihm auch wegen ADHS schwer, er rauchte, trank, die Hauptschule schaffte er "nur mit Ach und Krach". Dazu kamen bereits im Teenageralter depressive Phasen. Er verließ sein Zuhause, landete für drei Jahre auf der Straße.
Er nahm Amphetamine, sei aber nie kriminell geworden, habe sich als Straßenmusiker mit seiner Gitarre durchgeschlagen, sagt er. Über eine Bekannte schaffte er den Absprung, bekam eine Bude, brach dann aber eine Ausbildung zum Tischler ab.
Wegen seiner Depressionen, schildert er. Nach Therapien, Entzugsklinik und Privatinsolvenz schloss er seine Lehre ab und zog mit einem Kumpel 2016 nach Dresden.
Mit seinem Geld kommt er nicht klar
Doch ein geregeltes Leben zu führen, fällt ihm schwer. Vor allem wegen seiner Krankheit - trotz Behandlung und teils stationären Klinikaufenthalten in Klotzsche. Freude bereite ihm Arbeit im sozialen Bereich: Bei der Treberhilfe schälte er ehrenamtlich Kartoffeln oder verteilte Suppen an Obdachlose.
Seit September arbeitet er für einen sozialen Dienst als Alltagsassistent, hilft Menschen mit Handicap, begleitet sie etwa zum Bowling, Schwimmbad, Kino, berichtet Ditgen.
Doch mit seinem Geld kommt er nicht klar. Er lebe zwar drogenfrei, trinke auch keinen Alkohol mehr, sei aber erneut verschuldet. "Wegen meiner Krankheit fühle ich mich oft einsam und habe das mit Konsum kompensiert", sagt er.
Für TV, Playstation oder Parfüms nahm er einen Kredit auf. Den Unterhalt für seine sechsjährige Tochter, die er alle zwei Wochen sieht, muss ihm der Staat auslegen.
Ditgen will seiner Tochter mehr bieten können
Seine Beziehung mit der Mutter war in die Brüche gegangen. Eine Behandlung seiner (wegen Drogenmissbrauchs) schlechten Zähne hilft seinem Selbstwertgefühl, kostet ihn aber weiteres Geld - insgesamt stehe er mit 11.000 Euro in der Kreide, sagt er, Zinsen und Druck belasteten ihn.
"Ich kann meine finanzielle Lage nicht mehr allein bewältigen", offenbart er, startete darum seine eigene Spendenkampagne. Mit dem Geld (bis 10.000 Euro) will er aus dem Schulden-Teufelskreis heraus und in eine eigene Wohnung umziehen.
Um seinem Kind bei Besuchen mehr zu bieten als ein WG-Zimmer. "Ich will kein Mitleid, hoffe, dass einige Menschen meine Lage verstehen können", sagt er.
Dass er seine Probleme künftig nicht mehr mit Kaufrausch-Krediten lösen kann, sei ihm mittlerweile klar. Unterstützer werden fündig unter https://spendenaktion.de.