Gebärmutterhalskrebs: Dresdner Professorin wirbt für lebensrettende Impfung
Dresden - Die Zahl ist alarmierend und unverständlich zugleich: Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 4300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die Zahlen sinken zwar langsam, doch in Afrika und Teilen Asiens gilt er als häufigste gynäkologische Krebserkrankung. Dabei könnte Gebärmutterhalskrebs längst ausgerottet sein, denn es gibt eine Impfung. Die schützt sogar Männer!
Auslöser für den gefürchteten Gebärmutterhalskrebs sind fast immer Humane Papillomviren (HPV). "Bei über 97 Prozent unserer Patientinnen stellen wir eine HPV-Infektion fest", sagt Prof. Pauline Wimberger, Direktorin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Uniklinikum Dresden.
HP-Viren werden oft unbemerkt durch Schleimhautkontakt vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen.
Harmlose Formen können Haut- und Feigwarzen auslösen, manche sind aber auch an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt.
Rauchen (auch passiv) oder ein geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel auch bei Schwangeren) können dann den Ausbruch von Krebs begünstigen.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Vieles hängt von einer frühzeitigen Erkennung ab
Die Diagnose Gebärmutterhalskrebs ist tückisch. Wenn die Krebsart frühzeitig erkannt wird, kann mit alleiniger Operation eine Heilung erzielt werden.
Bei sehr frühen Stadien, wenn beispielsweise nur ein mikroskopischer Befall vorliegt, kann sogar ein Fertilitätserhalt (Schutz der Fruchtbarkeit) angeboten werden und die Frauen können später noch schwanger werden. Bei lokal fortgeschrittenen Stadien wird eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie angeboten.
"Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt im Stadium I, wenn die Erkrankung auf den Gebärmutterhals beschränkt ist, etwa 93 Prozent", sagt Prof. Wimberger. "Sie sinkt im Stadium IV auf nur 22 Prozent, wenn der Krebs Metastasen in entferntere Organen wie zum Beispiel Lunge oder Leber gebildet hat."
Die Therapie der Wahl bei Fernmetastasen ist eine Kombination aus Chemotherapie und Immun- und Antikörpertherapie.
Wie die Pocken: Krebsart könnte längst ausgerottet sein
Untypische Blutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr oder ungewöhnlicher, teils übelriechender Ausfluss: Symptome von Gebärmutterhalskrebs oder nicht? Eine einfach durchzuführende Krebsvorsorge beim Frauenarzt kann frühzeitig Auffälligkeiten feststellen. "Es dauert durchschnittlich sieben bis elf Jahre, bis sich aus Vorstufen ein sichtbares Karzinom entwickelt", sagt Prof. Wimberger.
Doch eigentlich könnte Gebärmutterhalskrebs längst ausgerottet sein, denn bereits seit 2006 gibt es eine Impfung gegen HP-Viren. "Inzwischen bietet eine Neunfach-Impfung in nur einer Spritze Schutz gegen gleich neun der am häufigsten vorkommenden humanen Papilloma-Virentypen", sagt Prof. Wimberger.
Weil eine HPV-Infektion zumeist beim Sex erfolgt, sollten Jugendliche möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Neunfach-Impfung in einem Alter zwischen neun und 14 Jahren.
Die Impfung in jungen Jahren (hier sind nur zwei Impfungen nötig) wird von den Krankenkassen bezahlt, kann beim Haus-, Kinder- oder Frauenarzt angeboten werden und schützt laut derzeitigem Stand lebenslang vor den wichtigsten HP-Viren.
"Die Impfrate in Deutschland liegt allerdings erst bei unter 50 Prozent", sagt Prof. Wimberger, die als Leiterin des Gynäkologischen Krebszentrums am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) auch Studien zum Thema leitet. Sie weiß: "Gebärmutterhalskrebs könnte - wie schon die Pocken - vollständig ausgerottet werden, wenn sich jeder impfen ließe - übrigens auch Jungen!"
Denn HP-Viren können nicht nur Gebärmutterhals- oder Schamlippenkrebs auslösen. Sie sind auch für Karzinome im Nasen- und Rachenraum, Analkrebs sowie Peniskrebs beim Mann verantwortlich.
Titelfoto: Fotomontage: picture alliance/dpa, Thomas Türpe, IMAGO/NurPhoto

