Die Sage der Burgruine Rathen: Als die Schaffnerin noch die Weinkrüge füllte

Rathen - Sachsens Geschichte ist sagenhaft vielfältig, Sachsens Sagenwelt nicht minder. Landauf, landab wimmelt es von Berggeistern, Weißen Frauen und manch untotem Fürsten. Viele der Erzählungen sind Hunderte Jahre alt. Andere wiederum wurden erst zu Zeiten der Gebrüder Grimm geschrieben oder, wie in einem Fall, haben noch keine 50 Jahre auf dem Buckel! Einige der Geschichten wurden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben, andere wiederum sind von Pastoren oder Lehrern frei erfunden.

Die TAG24-Serie geht den Überlieferungen auf den Grund. Heute: "Die Sage der Burgruine Rathen".

Heimatforscher Wolfgang Thomas (75) aus Wehlen.
Heimatforscher Wolfgang Thomas (75) aus Wehlen.  © Bildmontage: Petra Hornig, Marko Förster

Der kleine Ort Rathen im Elbsandsteingebirge hat es in sich. Neben der Felsenbühne, einer zünftigen Fischräucherei und einem Gondelteich am Fuß wuchtiger Sandsteinmassive kann die Gemeinde zwei sagenumwobene Burgruinen vorweisen: Neurathen und Altrathen.

Neurathen befindet sich auf dem Gelände der Bastei. Altrathen, eine waschechte ehemalige Raubritterburg, "klebt" gut sichtbar rechtselbisch an der Felswand.

Die Ruine ist seit 2018 in Privatbesitz und seither nicht mehr öffentlich zugänglich. Die bis dahin dort befindliche Herberge musste schließen.In grauer Vorzeit war zumindest unter der Ruine noch ordentlich was los: im "Erbgericht" - wie die Sage berichtet, allerdings durchaus nicht ohne Gefahr. Denn im Gemäuer der Burg oben herrschte DIE SCHAFFNERIN.

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Die Dame schien auf den ersten Blick ein netter Geist zu sein: "Klopfte man an die Wand und reichte ihr seinen Weinkrug, so füllte sie ihn", berichtet der Wehlener Heimatforscher Wolfgang Thomas (75).

"Doch vor Übermut sollte man sich hüten!"

"Die Schaffnerin" - eine Sagengestalt aus dem Elbsandsteingebirge.
"Die Schaffnerin" - eine Sagengestalt aus dem Elbsandsteingebirge.  © Bildmontage: 123rf/artmari, PR

Was drei lokale Schiffseigner erfahren mussten. Die Herren sprachen in der Kneipe mächtig dem Wein zu und hatten auch nach Mitternacht noch nicht genug. Man schickte eine Magd zur Burg hoch, sie möge bei der Schaffnerin doch gefälligst noch mehr vom Rebensaft holen.

Das Mädel tat, wie ihm geheißen, bekam Wein und wurde aber von der Schaffnerin in der Felswand belehrt, dass "Wein nach Mitternacht" nicht drin ist, bestenfalls zur Sonnenwende. Die sei ja bekanntlich gerade nicht. Und außerdem wäre zu spät trinken ungesund.

Es kam wie es kommen musste: Die Herren Kapitalisten konnten nicht genug bekommen. Als auch dieser Krug leer war, schickten sie die arme Magd nochmals los. Die war inzwischen extrem verängstigt (nicht mal Trinkgeld hatte sie bei der letzten Runde angenommen). Da griff einer der Schiffsbesitzer in die Trickkiste.

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Weil er wusste, dass das Mädel in seinen Sohn verliebt war. Bislang hatte der gestrenge Herr Papa die Hochzeit verboten, was er nun aber ändern wollte - wenn sie nochmals Wein holt, versprach er. Das zog (Außerdem waren die Zeiten andere, das Personal im Gastgewerbe noch nicht rar). Die Schaffnerin aber war sauer. Stinksauer. Sie hielt dem Mädchen eine Standpauke, äußerte aber angesichts der Liebesnot der Magd Verständnis.

Es gab sogar erneut Wein, aber ... unten in der Kneipe soffen die Zecher den letzten Wein ihres Lebens, bevor sie am Tisch sitzend verstarben. Ob das Mädchen und der Sohn sich kriegten, lässt die Sage offen.

Die Burg Altrathen.
Die Burg Altrathen.  © Eric Münch

Ritter Kunz trank wohl ein Glas zuviel

Bleiglasbild in der Burg Altrathen. Die Immobilie ist seit Spätherbst 2018 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.
Bleiglasbild in der Burg Altrathen. Die Immobilie ist seit Spätherbst 2018 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.  © Eric Münch

Auch hoch oben, auf Neurathen, war es der Wein, der den Tod brachte. Nämlich dem "Ritter Kunz von Rathenstein".

Der gleichnamige Burgherr hatte in seiner Anlage unzählige Fässer Wein gelagert, die er über die Zeit systematisch austrank. Der Mann soff grenzüberschreitend: Sowohl böhmischer Wein ging weg als auch Wein aus der Meißner Gegend. Hauptsache Promille.

Kaum war das letzte Fass gelehrt, stürzte er sich (!) in den Grund, wo er noch heute umgeht.

Auch oben auf der Bastei soll er gelegentlich erscheinen, um aus den Gläsern der Gäste die letzten Tropfen auszutrinken.

Titelfoto: Bildmontage: 123rf/artmari, PR

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