Interner Brandbrief: Dresdens Stadtverwaltung hat ein Digital-Problem

Dresden - Ämter sind unzureichend miteinander vernetzt, Daten müssen teils umständlich übermittelt werden: Die Grünen kritisieren die Verwaltung und fordern eine städtische Digitalstrategie. Zwei Bürgermeister schrieben sogar einen internen Brandbrief, sprechen von einem "prekären Zustand" der IT-Landschaft.

"Schluss mit dem Durchwursteln bei der Digitalisierung", fordert Grünen-Stadtrat Moritz Knobel (31).
"Schluss mit dem Durchwursteln bei der Digitalisierung", fordert Grünen-Stadtrat Moritz Knobel (31).  © Thomas Türpe

Die Digitalisierung der Stadtverwaltung sei kein Selbstzweck, sondern zentraler Bestandteil einer bürgernahen und leistungsfähigen Stadt, so Stadtrat Moritz Knobel (31).

Allerdings sehe man bei der Verwaltung keinen Gesamtplan, sondern oft Insellösungen und Werkeln nach dem Prinzip Hoffnung. "Schluss mit dem Durchwursteln bei der Digitalisierung!", fordert Knobel.

Im Rat beantragen die Grünen eine gesamtstädtische Digitalstrategie unter Einbindung aller Geschäftsbereiche, auch damit Bürger und Unternehmen ihre Daten der Verwaltung nur noch einmal übermitteln müssen und die Behörden effizienter untereinander arbeiten können. Laut Rathaus arbeite man allerdings selbst gerade an einer "Digitalisierungsstrategie".

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Wie sehr es noch hapert, macht ein gemeinsames internes Schreiben (liegt TAG24 vor) von Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne) und Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) - deren Ämter im Stadtforum bereits digital und papierlos arbeiten sollen - an ihren Kollegen, Digitalbürgermeister Jan Pratzka (54, CDU) vom November klar.

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne).
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne).  © Holm Helis
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Das Stadtforum soll eigentlich Vorreiter einer digitalen Arbeitswelt sein.
Das Stadtforum soll eigentlich Vorreiter einer digitalen Arbeitswelt sein.  © imago/Sylvio Dittrich
Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne).
Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne).  © Holm Helis

Eine Unterschrift dauert bis zu drei Minuten

Erhielt einen Brandbrief von seinen Kollegen: Digitalbürgermeister Jan Pratzka (54, CDU).
Erhielt einen Brandbrief von seinen Kollegen: Digitalbürgermeister Jan Pratzka (54, CDU).  © Thomas Türpe

Seit Monaten seien "Mitarbeiter mit täglichen Totalausfällen der gesamten E-Mail-Kommunikation und Terminverwaltung konfrontiert", heißt es darin. Programme stürzten ab, was zu Datenverlust und Frustration führe.

Man erlebe in vielen Bereichen Probleme, welche die Arbeitsfähigkeit "massiv einschränken". "Die IT-Landschaft zeigt sich in einem prekären Zustand, wenn die zentralen Anwendungen und Systeme über Monate hinaus derartig vielen Problemen unterworfen sind", kritisieren die grünen Bürgermeister. Kühn ärgerte sich zudem übers digitale Signieren, für das er teilweise bis zu drei Minuten brauche - pro Unterschrift.

"Noch haben wir innerhalb der Stadtverwaltung Medienbrüche, da zwar alle Ämter im Stadtforum mit E-Akte arbeiten, aber noch nicht alle Ämter der Stadtverwaltung", teilt das Rathaus mit. Man arbeite daran.

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Pratzka selbst will sich nicht ausführlich zur "internen Kommunikation" äußern. Verzögerungen etwa beim Öffnen von Dateien seien aber "kein Massenphänomen", so Pratzka. "Auftretende Probleme werden kollegial gelöst und die Umstellung auf moderne Arbeitswelten und neue Prozessabläufe gemeinsam umgesetzt."

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe, IMAGO/Sylvio Dittrich, Holm Helis

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