Dresden aufgepasst: Diese Demo sorgt am Samstag für Aufsehen

Dresden - Sie flattern über Plätze, sitzen auf Dächern und gehören längst zum Dresdner Stadtbild: Tauben. Bei vielen Menschen genießen die Tiere allerdings keinen besonders guten Ruf. Das wollen Tierschützer ändern - und nehmen dabei vor allem den Brieftaubensport ins Visier. Am kommenden Samstag wollen sie deshalb im Alaunpark demonstrieren. TAG24 hat beim Vorstandsmitglied der Stadttauben-Initiative nachgehakt.

Vorstandsmitglied der Stadttauben-Initiative Marta Broll (43) päppelte verletzte Brieftauben wieder auf.  © Thomas Türpe

Die Stadttauben-Initiative Dresden e. V. ruft am 5. September um 11 Uhr gemeinsam mit weiteren Tierschützern zu einer Demonstration im Alaunpark auf.

Im Mittelpunkt steht die Kritik am Brieftaubensport. Die Initiative spricht von erheblichem Tierleid und will auf aus ihrer Sicht bestehende tierschutzrelevante Probleme aufmerksam machen.

Gegenüber TAG24 sagt Marta Broll von der Taubenhilfe Dresden: "Der Brieftaubensport ist in unseren Augen Missbrauch und Ausbeutung von Lebewesen". Sie ergänzt: "Wir erleben dies hautnah und nahezu täglich, dass erschöpfte und verletzte Tiere vom Himmel fallen."

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Bei Wettflügen werden die Tauben teils mehrere Hundert Kilometer von ihrem Heimatschlag entfernt ausgesetzt. Besonders kritisch sieht Broll dabei die Trennung der Tiere von ihren Partnern und teilweise auch von ihren Küken.

"Taubenpaare gehen eine lebenslange Partnerschaft ein und sind zudem ortstreu", erklärt die Tierschützerin. Genau dieses Verhalten werde beim Brieftaubensport aus ihrer Sicht ausgenutzt.

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Bei größeren Wettflügen werden teils mehrere Tausend Tauben gleichzeitig an einem Auflassort freigelassen. (Symbolbild)  © Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V./dpa

Nicht alle Tiere schaffen den Weg zurück

Viele Brieftauben schaffen den Wettflug nicht und sterben dabei.  © Bildmontage: Stadttauben-Initiative Dresden e.V.

"Der Großteil der zu Tausenden ausgesetzten Tiere schafft den Wettflug nicht", sagt Broll.

Gründe seien ihrer Erfahrung nach unter anderem die körperliche Verfassung der Vögel, Umwelteinflüsse, Orientierungslosigkeit oder Angriffe durch Greifvögel. Tiere, die nicht sofort sterben, würden häufig in Städten oder auf dem Land stranden "und verhungern dort jämmerlich, da sie nie gelernt haben, selbstständig Futter zu suchen", so die Tierschützerin.

Manche würden mit Glück gefunden und von Tierschützern versorgt, andere schlossen sich Stadttaubenschwärmen an.

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Allein in Dresden und Umgebung habe die Taubenhilfe nach eigenen Angaben jährlich mit rund 200 gestrandeten Brieftauben zu tun. Die Versorgung sei aufwendig: "Wir päppeln diese Tiere mit viel Mühe wieder auf oder müssen mit ansehen, wie sie vor unseren Augen sterben, da der Körper aufgegeben hat."

Besonders kritisch sieht die Initiative zudem die Leistungszucht. Schnelle Tauben seien für Züchter wertvoll, "da Preisgelder und Nachzuchten dieser Tiere Einkommen generieren". Broll ergänzt: "Brieftauben, die den Heimatschlag erreichen, jedoch nicht nach vorgegebener Zeit, sind für den Züchter wertlos. Was dann mit ihnen geschieht, kann man sich denken". Auch Selektionsflüge stehen bei den Tierschützern in der Kritik. Die Taubenhilfe fordert deshalb ein Ende des Brieftaubensports.

TAG24 hat den Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e. V. um eine Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen rund um den Brieftaubensport gebeten. Eine Antwort steht bislang noch aus.

Bei der Stadttauben-Initiative Dresden e. V. landen regelmäßig gestrandete Brieftauben. Die Versorgung der Tiere kostet den Verein jede Menge Zeit und Ressourcen.  © Bildmontage: Stadttauben-Initiative Dresden e.V.

Initiative will Tauben-Image verbessern

Dass Tauben heute auf den Straßen unserer Städte leben, ist laut der Stadttauben-Initiative vom Menschen verursacht.  © Norbert Neumann

Neben ihrer Kritik am Brieftaubensport setzt sich die Initiative für einen respektvolleren Umgang mit Stadttauben ein, möchte zugleich mit gängigen Vorurteilen gegenüber den Tieren aufräumen und setzt auf betreute Taubenschläge, um die Population zu regulieren.

Broll sieht einen Grund für den schlechten Ruf der Tiere in ihrer Geschichte: Stadttauben seien letztlich verwilderte beziehungsweise ausgesetzte Haustiere und suchten deshalb weiterhin die Nähe zum Menschen - "denn dieser hat sie einst versorgt".

Da sie in Städten kaum ausreichend artgerechtes Futter wie Körner und Sämereien fänden, ernährten sich Tauben häufig von Essensresten. "Was sie natürlich krank macht und den bekannten Durchfallkot verursacht", erklärt die Tierschützerin.

Den häufigen Vergleich von Tauben mit Ratten und ihren Ruf als "Krankmacher" hält Broll für überzogen. Eine Übertragung von Krankheiten auf Menschen sei nach ihrer Darstellung "so selten wie ein Lottogewinn".

Alle weiteren Informationen zur Initiative und zur Demonstration gibt es auf der Website der Taubenhilfe.

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