Dresden - Nach vier Jahren Sanierung ist die Scheune wieder da - und die Neustadt hat damit ihr Herz zurück! Ab Donnerstag feiert das Kulturzentrum in neuem Gewand sein "Comeback", am Sonnabend gibt's einen Tag der offenen Tür. Der Umbau kostete fast die Hälfte mehr als geplant, eröffnet der Szene aber auch neue Spielräume.
Die Scheune wurde in der Nachkriegszeit auf den Grundmauern der zerstörten Turnhalle des Turnvereins Neu- und Antonstadt errichtet und eröffnete 1951 als sogenanntes Jugendheim der ehemaligen FDJ (Freie Deutsche Jugend).
Die letzte Teilsanierung gab es 2007, zuletzt war das Gebäude in miserablem Zustand. "Die Schäden waren größer als gedacht, die Bausubstanz schlecht", erklärt der städtische Projektleiter Jens Lerch (55).
So musste etwa die marode Saalwand anders als geplant weichen. Der seit Oktober 2022 laufende Umbau verteuerte sich von gut 7 Millionen Euro auf insgesamt 10,1 Millionen Euro.
Herausgekommen ist damit quasi ein komplett barrierefreier Neubau (neun Meter breiter als zuvor) mit prägender Holzfassade, die geschwungene Innentreppe und die Küche des Restaurants blieben erhalten.
OB Hilbert verschafft sich Überblick
Im Inneren gibt's jetzt ein einladendes Foyer im Eingangsbereich und einen neuen kleinen Saal mit Bühne für bis zu 100 Personen. In den großen Saal im Geschoss darüber passen jetzt 540 Personen (zuvor 450).
Es gibt Bars, einen Raum für Workshops, viele Räume und sogar zwei kleine Apartments, die von Bands oder Künstlern gemietet werden können, wie Romy Jaehnig (40) vom Betreiberverein Scheune erklärt.
Am Mittwoch sah sich der Stadtchef das Kulturzentrum an. "Die neuen Räume eröffnen ganz neue Möglichkeiten für Konzerte, Tanz, Begegnung und eigene Projekte", sagte Dirk Hilbert (54, FDP) erfreut. Auch das Scheunecafé eröffnet unter neuem Betreiber wieder, bietet vegetarische Küche an. Die Toiletten im Erdgeschoss sind kostenfrei nutzbar.
Das Konzert am Freitag ist zwar bereits ausverkauft, doch am Samstag öffnet die Scheune für alle Besucher ab 15 Uhr kostenfrei mit Bands und offener Bühne. Am Sonntag soll gemeinsam gespeist werden (Menü-Ticket: 14 Euro), danach ist ab 15 Uhr Kinderdisco, Eintritt frei.
Finanzdruck auf Clubs wird größer
Auch die SPD freut sich über die Wiedereröffnung der Scheune, macht sich aber auch Sorgen. Man wisse, wie groß der finanzielle Druck auf Clubs, Kulturorte und Veranstalter sei, sagt Stadträtin Elli Martius (25).
"Wegen gestiegener Preise und den Kosten der Fixposten bei Personal, Energie und Mieten haben viele keine finanziellen Reserven."
Zudem seien Nutzungskonflikte, Lärmschutz und zunehmender Druck auf Flächen insbesondere in einem dicht besiedelten Stadtteil wie der Neustadt eine Herausforderung.
SPD-Stadtbezirksbeirat Christian Demuth (54) schlägt darum vor, den Dialog zwischen Clubszene, Verwaltung, Politik und Nachbarschaft zu verbessern und zu verstetigen.